SIMT setzt 20 Millionen Euro in den Sand!
Erstellt am 16.03.2007 von Markus Lochmann
Spiegel Online vom 16. März 2007:
Manager-Uni wegen Management-Fehlern verramscht
Von Alexander Ross
Das Stuttgarter SIMT (Anmerkung: Stuttgart Institute of Management and Technology) sollte zur Vorzeige-Managerschmiede werden. Es zerbrach an Managementfehlern und wurde zum Grab für viele Millionen, die Landesregierung, Industrie und Stadt hineinpumpten. Jetzt fand das schwäbische Heißluft-Harvardle einen Käufer: Haste mal ‘nen Euro? …
Dabei trat das SIMT als schwäbische Antwort auf internationale MBA-Schmieden an. Gegründet wurde es 1998 als Public-Private-Partnership von namhaften Unternehmen wie Trumpf und Bosch sowie den Universitäten Stuttgart, Hohenheim und Tübingen. Doch peinlich für alle beteiligten Manager und Professoren: Sie versagten offenkundig in genau jener Praxis, die sie anderen beibringen wollten - für Studiengebühren von rund 25.000 Euro.
Jahrelang sah man zu, wie sich Professoren als Manager ausprobierten. Erster SIMT-Präsident wurde im September 2000 Hans J. Tümmers, zuvor BWL-Professor in Reutlingen und Professor für Politikwissenschaft in Straßburg. Tümmers schien den Markt zu kennen, denn er war zugleich Direktor der Management School IECS Strasbourg. Doch Fortüne als Manager hatte er offenbar nicht, was nach drei Jahren zur ersten Fast-Pleite des SIMT und zum Auslaufen seines Vertrages führte.
Denn in Tümmers’ Zeit als Chef traf man eine so folgenschwere wie obskure Entscheidung: auf Biegen und Brechen Studenten aus aller Welt nach Stuttgart zu holen. Dazu übernahm das SIMT für nahezu alle Studenten die hohen Studiengebühren - und per Bankbürgschaft auch das Risiko ausfallender Rückzahlungen. Ein hochriskantes akademisches Geschäftsmodell, das prompt zur Schieflage führte. Denn kaum in ihre Heimatländer zurückgekehrt, vergaßen zahlreiche Studenten, ihre Rechnung aus Stuttgart zu begleichen. Noch heute muss das SIMT dafür den Banken rund 1,3 Millionen Euro zahlen….Hinzu kamen Mietkosten von jährlich über einer dreiviertel Million Euro für das repräsentative Gebäude in bester Lage. Auch die Industriepartner kamen ihren Zahlungsverpflichtungen nur schleppend nach. Alles lief anders, als es in Hochglanzbroschüren und Pressemitteilungen dargestellt wurde. Noch im Januar 2007 verkündete man für das SIMT den Platz 32 in einem Ranking der besten europäischen Business-Schools.
Dabei war das SIMT längst keine Hochschule mehr - schon im Mai 2003 entzog ihr Baden-Württembergs Ministerrat diesen Status. Doch man machte munter weiter, jetzt unter alleiniger Führung der Universität Stuttgart, die auch die Abschlüsse vergab…
20 Millionen Euro für 281 Absolventen versenkt
Dennoch wurde es Mitte 2006 wieder ernst am SIMT, vor wenigen Wochen drohte abermals die Insolvenz. Doch dann wurde das sieche Vorzeigeprojekt Ende Februar schnell und still beerdigt: Für einen symbolischen Euro übernahm die Steinbeis-Gruppe des akademischen Multi-Unternehmers Professor Johann Löhn aus Stuttgart die Führung.
Wissenschaftsminister Frankenberg legte noch 1,5 Millionen Euro drauf, in zweiter Lesung mit Regierungsmehrheit beschlossen. Offiziell für die Weiterführung des Lehrbetriebs für derzeit 85 Studenten. Beobachter in Stuttgart sagen: für die vorhandenen Schulden. Vor allem erwarb Steinbeis die schmucke SIMT-Immobilie von einer Tochter der Landesbank Baden-Württemberg. Der Kaufpreis ist vertraulich, doch ein aktuelles Wertgutachten nennt 5,8 Millionen Euro; Löhn soll sechs Millionen gezahlt haben. Gekostet hatte das Gebäude vor zehn Jahren noch 8,6 Millionen - und alle folgenden Investitionen dürften es nicht wertloser gemacht haben.
Was das SIMT bis heute insgesamt gekostet hat, scheint auch Minister Frankenberg nicht bekannt zu sein. Folgende Beträge lassen sich ermitteln: Neun Millionen flossen von der Industrie, 4,7 Millionen vom Land und zwei Millionen von der Stadt Stuttgart. Hinzu kommen Mietbeihilfen und weitere Subventionen sowie Kosten bei den beteiligten Universitäten. Kenner schätzen die Gesamtsumme auf über 20 Millionen Euro - viel Geld für eine private Universität, die nach neun Jahren lediglich 281 Absolventen vorzeigen kann.
Den ganzen Artikel gibt es HIER
Kommentar:
“Jetzt sollte Herr Minister Prof. Dr. Frankenberg doch erklären, warum er sich bei den Studierenden im Land konsequent gegen nachgelagerte Studiengebühren ausspricht, wie es ja am SIMT tatsächlich praktiziert wird, das sogar obendrein auch noch per Bankbürgschaft das Risiko ausfallender Rückzahlungen übernimmt. Und nicht nur das, wir fragen uns auch, wie es mit staatlicher Unterstützung dazu kommen konnte, dass 20 Millionen Euro ausgegeben wurden, um gerade einmal 281 Absolventen hervorzubringen. Das ist ein bildungspolitischer Skandal allererster Güte. Wir fordern Aufklärung, wie es beim SIMT soweit kommen konnte.” so der Landesvorsitzende der LHG-BW Alexander Schopf.
Beitrag versenden
1 Kommentar zu “SIMT setzt 20 Millionen Euro in den Sand!”
Diesen Beitrag kommentieren
Du musst angemeldet sein um Kommentare zu schreiben.


“Jetzt sollte Herr Minister Prof. Dr. Frankenberg doch erklären, warum er sich bei den Studierenden im Land konsequent gegen nachgelagerte Studiengebühren ausspricht, wie es ja am SIMT tatsächlich praktiziert wird, das sogar obendrein auch noch per Bankbürgschaft das Risiko ausfallender Rückzahlungen übernimmt. Und nicht nur das, wir fragen uns auch, wie es mit staatlicher Unterstützung dazu kommen konnte, dass 20 Millionen Euro ausgegeben wurden, um gerade einmal 281 Absolventen hervorzubringen. Das ist ein bildungspolitischer Skandal allererster Güte. Wir fordern Aufklärung, wie es beim SIMT soweit kommen konnte.” so der Landesvorsitzende der LHG-BW Alexander Schopf.