Wie kann das Studium besser auf den Berufseinstieg vorbereiten?

KarriereleiterDie Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg stellen fest, dass insbesondere universitäre Studiengänge oftmals nur unzureichend auf den Berufseinstieg vorbereiten. Deshalb fordern sie die folgenden Umstrukturierungen im deutschen Hochschulsystem.

1. Die ersten zwei Semester jedes Bachelor-Studiengangs an Universitäten und Fachhochschulen sollen den Studenten zur Orientierung dienen, um danach zwischen einem eher praktisch und einem eher wissenschaftlich ausgerichteten Vertiefungszweig wählen zu können.
2. Wer an einer Universität den praktischen Zweig eines Bachelor-Studiengangs abgeschlossen hat, soll sein Studium an einer Fachhochschule fortsetzen und somit auf eine praktisch orientierte Ausbildung umsteigen können. Umgekehrt soll ein wissenschaftlich orientierter Bachelor einer Fachhochschule erlauben, anschließend einen Master-Studiengang an einer Universität zu besuchen.

Link zum dazugehörigen Beschluss der LHG-BW vom 2. Februar 2008.

Grundsätzlich sollen Fachhochschulen weiterhin praktisch und Universitäten wissenschaftlich ausgerichtet bleiben. Das hier vorgeschlagene System soll jedoch einen Wechsel erleichtern, da es jungen Leuten oftmals schwer fällt, bereits vor dem Studium zu beurteilen, ob ihnen wissenschaftliche oder praktische Berufe eher liegen. Dabei sollen praktisch orientierte Bachelor an Universitäten und wissenschaftlich orientierte Bachelor an Fachhochschulen zudem die Nachfrage vieler Berufe nach Mischqualifikationen befriedigen.

Die Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg fordern hierzu ergänzend:

1. Durch Informationsmaßnahmen aufzuklären, welcher Zweig welchen Nutzen bringt und sich für welche Tätigkeiten eignet. Hier sind neben Einführungsveranstaltungen und Informationen im Internet auch individuelle Beratungsgespräche durchzuführen.
2. Von der „Verschulung“ der Bachelor- und Master-Studiengänge ist abzukehren und als zusätzlichen Anreiz für ihren Besuch sind auch Sprachkurse und Seminare zu anderen komplementären Qualifikationen unter den Wahlfächern voll anzurechnen.
3. Mit Vertretern der Berufe, mit Ehemaligen und mit aus Praktika zurückkehrenden Studenten ist verstärkt in Dialog zu treten, um Feedback zum Nutzen der Inhalte des Studiums in der Berufspraxis zu erhalten.
4. Ehemalige sind durch Umfragen nach ihrer Einkommensentwicklung und ihrem Erfolg bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zu befragen und Auswertungen anonymisiert nach Studiengang getrennt zu veröffentlichen.

 

Vor dem Hintergrund, dass auch das beste System bei schlechten Professoren versagt, fordern die Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg zudem die folgenden Maßnahmen:

1. Eine von der Qualität der Lehre abhängige Bezahlung der Dozenten. Unterrichtet statt des Lehrstuhl-Inhabers ein anderer Mitarbeiter, so muss auch dieser persönlich von seiner guten Lehrveranstaltung profitieren.
2. Nebentätigkeiten der Professoren sind datenschutzrechtlich korrekt für die Studenten einsehbar zu machen. Hierdurch wird ihnen ermöglicht, sich ein komplexes Bild über die Qualität und Quantität der universitären Arbeit ihres Dozenten zu machen. Diese kann dann mit in Evaluation und leistungsabhängige Bezahlung einfließen.

Diese Maßnahmen sind durch folgende weitere Verbesserungen abzurunden:

1. Abschlusszeugnisse müssen künftig den Notendurchschnitt mindestens auf eine Nachkommastelle genau ausweisen und Angaben enthalten, die eine Einordnung der Leistung im Vergleich zu anderen Absolventen ermöglichen.
2. Das Studium muss so organisiert sein, dass dem Studenten am Ende der Orientierungsphase bewusst ist, welche Anforderungen im weiteren Verlauf auf ihn zukommen und dass bei erfolgreichem Abschluss der Orientierungsphase davon ausgegangen werden kann, dass auch das gesamte Studium abgeschlossen wird.

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