“Willensfreiheit – eine Illusion?” – Kontroverse Diskussion in vollem Hörsaal

willensfreiheit_plakat.png240 Gäste erlebten eine kontroverse Diskussion bei der Veranstaltung „Willensfreiheit – eine Illusion?“. Zur Veranstaltung hatten die LHG Heidelberg, der Landesverband Liberaler Hochschulgruppen Baden-Württemberg und die Reinhold-Maier-Stiftung prominente Gäste geladen. Neben Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Philosoph und Psychiater an der Uni Heidelberg, und Prof. Dr. Andreas Draguhn, Neurophysiologe an der Uni Heidelberg, saß auch der Bielefelder Hirnforscher Prof. Dr. Hans J. Markowitsch auf dem Podium. Damit prallten Ansichten aufeinander, die eine kontroverse Diskussion versprachen.


“Willensfreiheit – eine Illusion?” – Kontroverse Diskussion in vollem Hörsaal – Teil 1 from LHG Baden-Württemberg on Vimeo

WillensfreiheitMarkowitsch stellte in seinem Eingangsvortrag die von ihm vertretene deterministische Ansicht dar, nach der unsere Entscheidungen allein von neurobiologischen Parametern und nicht von unserem Willen abhängen würden. Diese wiederum unterlägen ausschließlich den Naturgesetzen, womit unser Gehirn „vorprogrammiert“ und Entscheidungen ausschließlich die Folge gegebener Voraussetzungen wären. Dem widersprachen seine beiden Diskussionspartner. In ihren Vorträgen und der anschließenden Diskussion äußerten sie teils deutliche Kritik an Markowitschs Thesen. „Man kann unser Bewusstsein nicht nur rein chemisch erklären“ meinte etwa Thomas Fuchs. Er stimme Markowitsch zwar zu, dass unsere Entscheidungen von vielen Faktoren beeinflusst würden, diese lägen jedoch eher im Bereich von Erziehung und Erfahrungen.

“Willensfreiheit – eine Illusion?” – Kontroverse Diskussion in vollem Hörsaal – Teil 2 Podiumsdiskussion from LHG Baden-Württemberg on Vimeo

Andreas Draguhn nahm in seinem Beitrag dagegen eine Zwischenstellung ein. Zwar könnten nach seiner Ansicht auch andere Faktoren wie etwa Hirntumore unser Handeln beeinflussen, dabei würde es sich jedoch eher um Ausnahmeerscheinungen handeln, die unsere Fähigkeiten allenfalls grob beeinträchtigten. Für die These, dass auch im Regelfall unser Verhalten nur Ergebnis unserer biologischen Voraussetzungen sei, wäre das Gehirn noch viel zu unerforscht.

Bei Diskutanten und Publikum ist vor allem die These, Fehlverhalten wie etwa Kriminalität müsse aufgrund der fehlenden Steuerbarkeit als Krankheit angesehen werden, auf Kritik gestoßen. Laut einer Meinung aus dem Publikum führe dies nicht nur zum von Markowitsch geforderten Umdenken im Strafrecht. Es wären stattdessen die gesamte Rechtsordnung in Frage zu stellen, da etwa auch Verträge in der Folge nie aus freiem Willen zustande kämen. Diese und andere Fragen aus dem Publikum konterte Markowitsch schlicht: „Es bringt doch nichts, an Altbekanntem festzuhalten, nur um des Festhaltens willen.“

In dieser Meinung sind sich alle Beteiligten einig. Ob jedoch Willensfreiheit wirklich nur eine Illusion sei, wird weiterhin kontrovers diskutiert werden.

Einladung zur Veranstaltung zum Thema “Willensfreiheit – eine Illusion?” an der Uni Heidelberg

willensfreiheit_plakat.pngLHG Heidelberg, Landesverband Liberaler Hochschulgruppen Baden-Württemberg und die Reinhold-Maier-Stiftung laden ein zur Veranstaltung „Willensfreiheit – eine Illusion?“, an der Universität Heidelberg, Hörsaal 14, 2. OG, Neue Universität, Universitätsplatz, 69117 Heidelberg, am Dienstag, den 25. Januar 2011 um 18.30 Uhr mit folgenden Referenten:

  • Prof. Dr. med. Andreas Draguhn
  • Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs
  • Prof. Dr. Hans J. Markowitsch
  • Seit Jahrtausenden stellen sich Menschen die Frage: Sind wir frei in unserem Denken und Handeln oder werden wir von Göttern oder dem Schicksal darin manipuliert. Da die Götter unseres Jahrhunderts Naturgesetze heißen, ist der Diskurs seit Kurzem neu entbrannt. Was können neuste neurobiologische Erkenntnisse tatsächlich über das Problem der Willensfreiheit aussagen? Muss unser Strafrecht geändert werden? Braucht man in Zukunft Hirnscanner im Gerichtssaal? Und lassen sich Morde in Zukunft durch neurowissenschaftliche Methoden vermeiden?

    Prof. Hans Markowitsch, Neurowissenschaftler an der Uni Bielefeld, ist mit Büchern wie TATORT GEHIRN federführend an der Willensfreiheits-Debatte beteiligt. Er vertritt die Position, dass die Neurobiologie menschliches Verhalten erklären kann und unsere Willensfreiheit nicht viel mehr ist als ein schöner Schein. Eine andere Position vertritt der Heidelberger Psychiater und Philosoph Prof. Thomas Fuchs in seinem Buch DAS GEHIRN – EIN BEZIEHUNGSORGAN: „Die Bestimmtheit von Prozessen des Überlegens, Wertens, Vorziehens und Entscheidens lässt sich nicht vollständig auf physikalisch-chemische Gesetzmäßigkeiten reduzieren.“ Auch Prof. Andreas Draguhn, Neurophysiologe an der Uni Heidelberg, ist seit Jahren an der Diskussion in der wissenschaftlichen Fachwelt beteiligt. Das Sujet des Abends verspricht auf jeden Fall eine kontroverse Podiumsdiskussion.

    Die Teilnahme an der Veranstaltung ist natürlich kostenlos. Es besteht Gelegenheit, Fragen an die Referenten zu stellen.

    Veranstaltung zum Thema „Willensfreiheit – eine Illusion?“ an der Uni Heidelberg

    25.01.2011
    18:30bis20:30

    LHG Heidelberg, Landesverband Liberaler Hochschulgruppen Baden-Württemberg und die Reinhold-Maier-Stiftung laden ein zur Veranstaltung „Willensfreiheit – eine Illusion?“, an der Universität Heidelberg, Hörsaal 14, 2. OG, Neue Universität, Universitätsplatz, 69117 Heidelberg, am Dienstag, den 25. Januar 2011 um 18.30 Uhr mit folgenden Referenten:

  • Prof. Dr. med. Andreas Draguhn
  • Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs
  • Prof. Dr. Hans J. Markowitsch
  • Seit Jahrtausenden stellen sich Menschen die Frage: Sind wir frei in unserem Denken und Handeln oder werden wir von Göttern oder dem Schicksal darin manipuliert. Da die Götter unseres Jahrhunderts Naturgesetze heißen, ist der Diskurs seit Kurzem neu entbrannt.willensfreiheit_plakat.png Was können neuste neurobiologische Erkenntnisse tatsächlich über das Problem der Willensfreiheit aussagen? Muss unser Strafrecht geändert werden? Braucht man in Zukunft Hirnscanner im Gerichtssaal? Und lassen sich Morde in Zukunft durch neurowissenschaftliche Methoden vermeiden?

    Prof. Hans Markowitsch, Neurowissenschaftler an der Uni Bielefeld, ist mit Büchern wie TATORT GEHIRN federführend an der Willensfreiheits-Debatte beteiligt. Er vertritt die Position, dass die Neurobiologie menschliches Verhalten erklären kann und unsere Willensfreiheit nicht viel mehr ist als ein schöner Schein. Eine andere Position vertritt der Heidelberger Psychiater und Philosoph Prof. Thomas Fuchs in seinem Buch DAS GEHIRN – EIN BEZIEHUNGSORGAN: „Die Bestimmtheit von Prozessen des Überlegens, Wertens, Vorziehens und Entscheidens lässt sich nicht vollständig auf physikalisch-chemische Gesetzmäßigkeiten reduzieren.“ Auch Prof. Andreas Draguhn, Neurophysiologe an der Uni Heidelberg, ist seit Jahren an der Diskussion in der wissenschaftlichen Fachwelt beteiligt. Das Sujet des Abends verspricht auf jeden Fall eine kontroverse Podiumsdiskussion.

    Die Teilnahme an der Veranstaltung ist natürlich kostenlos. Es besteht Gelegenheit, Fragen an die Referenten zu stellen.


    Größere Kartenansicht