03.11.2013

Stellungnahme zum “Deutschlandstipendium”

Die Liberale Hochschulgruppe Heidelberg befürwortet das Konzept des Deutschlandstipendiums und spricht sich für eine dauerhafte Implementierung und Expansion des Deutschlandstipendiums an der Ruprecht-Karls-Universität aus.

An der Universität Heidelberg werden die Stipendien, die zur Hälfte vom Staat und zur anderen Hälfte von privaten Förderen finanziert werden, einmal jährlich für ein Jahr vergeben, wobei eine Verlängerung bis zum Ablauf der Regelstudienzeit möglich ist.
Studienleistungen fließen zu 60 % in die Bewertung der Bewerber ein, mit 20 % werden ehrenamtliches Engagement, Auszeichnungen, freiwillige Praktika oder eine abgeschlossene Berufsausbildung gewichtet und die verbleibenden 20 % können durch persönliche und familiäre Umstände abgedeckt werden.

Wir begrüßen das Konzept Studierende leistungsabhängig und einkommensunabhängig mit 300 € im Monat zu fördern, denn exzellente Studienleistungen müssen sich unabhängig von allem anderen lohnen können!
Hier unsere Antworten auf die wesentlichen Kritikpunkte am Deutschlandstipendium…

1) Zu viel Aufwand für zu wenige?

2012 erhielten 13.900 Studierende ein Deutschlandstipendium. Damit hat sich die Zahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten innerhalb nur eines Jahres auf das Zweieinhalbfache erhöht. Rund zwei Drittel aller teilnahmeberechtigten Hochschulen in Deutschland beteiligten sich 2012 am Deutschlandstipendium. Damit haben insgesamt bundesweit 88 % aller Studierenden die Möglichkeit, sich an ihrer Hochschule für das Spitzenförder-Programm zu bewerben.
Rund 100 Hochschulen erreichten 2012 die Höchstförderquote von 1 % ihrer Studierenden. Einige von ihnen haben sogar deutlich mehr als dieses Kontingent eingeworben. Sie profitieren von einer neuen Regelung des BMBF: Die Hochschulen können demnach auch über die Höchstförderquote hinaus Stipendien vergeben, wenn sie entsprechende Mittel eingeworben haben und noch freie Bundesmittel zur Verfügung stehen, die andere Hochschulen im gleichen Bundesland nicht ausgeschöpft haben. 2012 machten von dieser Möglichkeit 40 Hochschulen Gebrauch. Ab August 2013 beträgt die Höchstförderquote 1,5 % der Studierenden je Hochschule. Das BMBF unterstützt die Hochschulen beim Fundraising mit einer Akquisekostenpauschale (7 % der maximal einzuwerbenden Mittel). Überdies erhalten die Hochschulen eine einheitliche Softwarelösung, um die Bewerbungen von Studierenden online bequem verwalten zu können.

2) Ökonomisierung der Bildung?
Unserer Meinung nach hat die kombinierte Finanzierung der Stipendien durch den Bund und private Förderer für beide Seiten Vorteile: Die Industrie profitiert von Studierenden, deren Studienalltag etwas mehr am Arbeitsmarkt ausgerichtet ist; der Bund profitiert davon, die Stipendien nicht allein tragen zu müssen und sichergestellt zu haben, dass das Stipendium zielgerichtetes Studieren im Sinne von Angebot und Nachfrage fördert.
So haben die Hochschulen seit Beginn der Förderung private Fördermittel in Höhe von rund 30 Millionen Euro eingeworben. Diese wären ohne das Deutschlandstipendium der Bildung nie so direkt zugutegekommen.
Wir sehen dabei auch freie Bildung nicht eingeschränkt! Welcher Studierende würde ein Studienfach nicht studieren, nur weil er dort eine geringere Aussicht auf ein Deutschlandstipendium hat?  Einen Hinweis darauf, dass wirtschaftsnahe Fächer bessere Aussichten auf ein Deutschlandstipendium haben, lässt sich in der Verteilung der 13.896 Stipendien des Jahres 2012 auf die Fächergruppen finden (Allerdings bräuchte man für eine endgültige Aussagen zum Vergleich noch den Anteil der Studierenden eines Faches an allen Studierenden!):

  • Ingenieurwissenschaften: 28,9 Prozent (4.010 Stipendien)
  • Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: 25,8 Prozent (3.585 Stipendien)
  • Mathematik/Naturwissenschaften: 21,8 Prozent (3.030 Stipendien)
  • Sprach- und Kulturwissenschaften: 11,3 Prozent (1.568 Stipendien)
  • Medizin: 6,1 Prozent (851 Stipendien)
  • Kunstwissenschaften: 3,4 Prozent (476 Stipendien)
  • Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften: 2,0 Prozent (276 Stipendien)
  • Sonstige (Sport, Veterinärmedizin): 0,7 Prozent (100 Stipendien)

Diagramm_DS

Statistisches Bundesamt, Förderung nach dem Stipendienprogramm-Gesetz (Deutschlandstipendium), Mai 2013

3) Übervorteilung einkommensstarker Studierender?
Der Vorwurf, Deutschlandstipendien kämen v.a. einkommensstarken Studierenden zugute, soll aus folgendem „Logikstrang“ ableitbar sein: Nur Studierende, die nicht nebenher arbeiten müssen, um sich Geld dazuzuverdienen, würden Leistungen erbringen können, die gut genug für ein Deutschlandstipendium seien.
Diese Argumentation vernachlässigt allerdings alle Studierenden, die Studienkredite beziehen müssen, weil Ihnen ihr Studienfach das Geld verdienen nicht in ausreichendem Maße oder gar nicht erlaubt! Für diese große Gruppe einkommensschwacher Studierenden wäre das Deutschlandstipendium ein großer Vorteil, da sie ihren Studienkredit einschränken und sich trotzdem voll aufs Lernen konzentrieren könnten.

4) Eliteförderung statt Breitenförderung?
Hierbei muss noch einmal auf die Finanzierung des Stipendiums hingewiesen werden: Der Bund zahlt die eine Hälfte, die andere Hälfte zahlen private Förderer. Daher hält sich der finanzielle Rahmen der Leistungsförderung des Bundes in Grenzen. Im Gegenteil, es werden hier finanzielle Mittel generiert, die ohne das Stipendium überhaupt nicht für Bildung zur Verfügung ständen!

Wir halten es für wesentlich, zu erkennen, dass Förderung nicht ausschließlich bei Bedürftigkeit erfolgen soll. Es gibt verschiedene förderungswürdige Kriterien! Warum sollte nur Bedürftigkeit, nicht aber auch Leistung, gefördert werden, wenn die Anteile adäquat verteil sind?

5) Diskriminierung?
Wir sehen gute Leistungen als objektives Kriterium an. Da dieses Kriterium auf alle Studierenden angewendet wird (so können sich natürlich z.B. auch Studierende nicht-deutscher Nationalitäten auf das Deutschlandstipendium bewerben), kann man nicht von Diskriminierung sprechen.

6) Studienplatz-Bindung?
Dass das Deutschlandstipendium Studienplatz-gebunden ist, liegt im Wesen des Stipendiums und seiner Finanzierung. Da das Stipendium i.d.R. für ein Jahr vergeben wird, sehen wir aber nur vernachlässigbare Probleme in diesem Punkt: Plant der/die Studierende einen Studienortwechsel, so kann er/sie diesen meist so planen, dass er/sie die Förderung am einen Hochschulort erst zu Ende wahrnimmt oder sich gleich am zukünftigen Studienort auf das Deutschlandstipendium bewirbt.
So kann man sich für das Deutschlandstipendium auch als Studienplatzbewerber/-in bewerben. Eine Immatrikulation muss erst zu Beginn des Bewilligungszeitraums vorliegen.
Dass das Deutschlandstipendium Mobilität nicht per se behindern, sondern fördern soll, wird offensichtlich, wenn man bedenkt, dass das gleichzeitige Beziehen von finanzieller Förderung für Auslandsaufenthalte innerhalb des Förderungszeitraums ausdrücklich erlaubt ist (z.B. Erasmus-Stipendien oder Stipendien des DAAD für Praktika im Ausland etc.).

7) Überbewertung von Leistung, Vernachlässigung  aller anderer Kompetenzen und Kriterien?
Wie oben angegeben, erfolgen 40 % der Bewertung der Studierenden aufgrund außeruniversitärer Kriterien. So reicht zum Beispiel ein einfacher, von den Eltern unterschriebener Zettel, auf dem die Berufe der Eltern aufgeführt sind, um einen nicht-akademischen Hintergrund nachzuweisen, der positiv in die Bewerbung eingeht.
Darüber hinaus ist die Kompatibilität des Deutschlandstipendiums mit anderen Stipendien sehr streng geregelt: So kann es nicht gleichzeitig mit anderen Stipendien bezogen werden, die ebenfalls leistungsbezogen vergeben werden:
Bei den vom BMBF unterstützen Begabtenförderungswerken (z.B. die Studienstiftung des deutschenVolkes) steht der Begabungs- und Leistungsbezug klar im Vordergrund, weshalb diese nicht simultan mit dem Deutschlandstipendium bezogen werden können.
Im Gegensatz dazu kann das Deutschlandstipendium durchaus zusammen mit Stipendien, die nicht leistungsbezogen vergeben werden, bezogen werden. Dies gilt sowohl für Auslandsstipendien (z.B. Erasmus-Stipendien oder das Programm „Go East des DAAD“) als auch für Stipendien, die an bedürftige Studierende adressiert sind (z.B. Stipendien der Hanns-Voith-Stiftung).
Damit ist eine Überförderung von Leistung und eine Unterförderung von Bedürftigkeit oder sozialem Engagement ausgeschlossen.

Wollt Ihr Euch bewerben? Dann findet Ihr alle wichtigen Infos hier:

Infos zum Deutschlandstipendium an der Uni Heidelberg

Infos vom BMBF zum Deutschlandstipendium

Informationen des BMBF zu Doppelförderung


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