23.11.2009

Don Camillo und Peppone – Ein Kommentar

http://ais.badische-zeitung.de/piece/00/25/5f/dd/2449373.jpgGrotesk wirkt dieser Tage ein Interview mit Heidelberger Studentenvertretern und der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Margret Wintermantel im „Chancen“-Teil der Zeit vom 19. November. Nicht, als würden hier engagierte Menschen über den Bildungsstreik reden wollen, um damit etwas bewirken zu wollen. Sondern vielmehr als Vertreter ihrer Klientel, die unbedingt ihre Sprüche aufsagen müssen. Da wird schnell aus dem christdemokratischen Lager proklamiert, dass nur eine „kleine Minderheit“ den Bildungsstreik begrüßen und, dass niemand „die schweigende Mehrheit“ zeigen würde. Woraufhin auf anderer Seite gleich der Bildungsstreik mit einer fundamentalen Kapitalismuskritik gleichgesetzt wird und der interessierte Leser erwartet, dass hier jeden Moment die Heidelberger Räterepublik ausgerufen wird. Um ehrlich zu sein, erinnert es mich an Don Camillo und Peppone – eine Parodie auf den Kalten Krieg im Kleinen zwischen Reaktionär und Revolutionär. Und da ist noch eine dritte Stimme, die des Verwaltungsapparats: Die Studenten wären in Umfragen zufriedener mit den Studienbedingungen als vorher und auf dem Arbeitsmarkt würden Bachelorabsolventen mit Handkuss genommen werden. Es ist schon erstaunlich, dass hier drei grundverschiedene Meinungen aufeinandertreffen, bei denen aber keine der Wahrheit am nächsten kommt.Hört man sich unter Studenten seines Semesters um, wird schnell klar, dass nicht alles „heile Welt“ ist. Ein Großteil der Kommilitonen hält die Studienbedingungen nicht für optimal. Statistiken, die das Gegenteil belegen, würde ich mit Vorsicht genießen.  Auf der anderen Seite lohnt es sich aber für viele auch nicht, sich an den Protesten zu beteiligen, weil der Bildungsstreik seinem Wesen nach destruktiv ist. Man strebt nicht bestimmte Ziele an, sondern richtet sich pauschal gegen schlechte Studienbedingungen. Wobei schnell „verschulte Seminare“ mit „Seminarausfall“ oder „zu kurze Öffnungszeiten der Bibliothek“ mit „Studiengebühren“ in einen Topf geschmissen werden. Die Meinungen unter den Streikenden divergieren von A bis Z. Was wäre denn dann die Konsequenz für die Politik, außer zu beteuern, man müsse etwas für die Bildung tun? Ich würde mir wünschen, dass man auf studentischer Seite ein Papier erarbeitet, was die Forderungen der Studenten auf den Punkt bringt. Und ich würde mir wünschen, dass dieses Papier auch gelesen wird und nicht abgetan wird mit einem abschätzigen „Das kennen wir ja alles schon“. Denn das Gute der Studentenproteste ist doch momentan die mediale Sensibilität für das Thema. Wenn man daraus nichts schöpft, hat uns der Bildungsstreik auch nichts gebracht.


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