Bericht vom Medizinischen Fakultätentag

mft.jpgDer MFT ist eine bundesweite Versammlung der 36 deutschen medizinischen Fakultäten vertreten von den einzelnen Studiendekanen oder ggf. Dekanen / Rektoren. Heidelberg wurde dieses Jahr von Herrn Prof. Resch und Herrn Prof. Rammelsberg ( Studiendekan für Zahnmedizin ) offiziell repräsentiert. Zum MFT sind auch immer einige wenige Vertreter der Studierendenschaft geladen, in diesem Jahr waren es 5 Vertreter der bvmd, eine Vertreterin der Juso –Hochschulgruppe und nicht zuletzt gleich zwei Studenten aus Heidelberg Julia und ich – an dieser Stelle möchte ich ein kleines Dankeschön an das Studiendekanat für die finanzielle Unterstützung aussprechen.Diese zwei Tage waren vollgepackt mit Vorträgen von hochkarätigen Referenten aus Medizin, Politik und Wissenschaft über die Zukunft der Medizin, über aktuelle Projekte an diversen medizinischen Fakultäten, über die verschiedenen Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen, Fakultäten und Universitätsklinika, deren Herausforderungen und Chancen.Das Grußwort wurde von der Niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur Frau Prof. Dr. Johanna Wanka gesprochen, die in Ihrer Rede die herausragende Rolle der Medizinischen Hochschule Hannover hervortat ( nun das war bitter für uns Heidelberger, aber was soll ich sagen, wir waren schließlich in Hannover und sie ist Mathematikerin J ). Frau Prof. Wanka scheute sich nicht davor auch aktuelle und brisante Themen anzusprechen, wie die künftige Gestaltung und Finanzierung des Gesundheitswesens, der drohende Ärztemangel sowie die dringende Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Medizin.Der Stab wurde dann sogleich an Frau Dr. Ursula von der Leyen weitergereicht, unsere momentane Arbeits – und Sozialministerin und nicht zuletzt siebenfache Mutter, die es sich natürlich nicht nehmen ließ über die Rolle der Frauen in der Medizin zu referieren, das provokante Thema lautete: Die Medizin wird weiblich - Drohung oder Verheißung?Wir waren alle wirklich angetan von dem sehr persönlichen und äußerst lebendigen Vortrag ( rhetorisch eindeutig der beste der gesamten Veranstaltung ).Sie zeigte, die Problematik der deutschen Medizin auf und sprach mir persönlich aus tiefster Seele – bei einem Anteil von 64 % weiblicher Studierender reicht es bei nur 50% zu einer Promotion, bei 20% zur Habilitation und bei NUR peinlichen 4% zu einer C4 Professur – an Chancengleichheit ist bei solchen Zahlen nun wirklich nicht zu denken.Weitere Fakten die Frau Dr. von der Leyen vortrug, erscheinen geradezu besorgniserregend, da ein Drittel der Medizinerinnen bis zum Alter von 37 Jahren kein Kind haben und ganze 67 % sich vorstellen können Deutschland zu verlassen und im Ausland zu arbeiten, da es dort bessere Möglichkeiten gäbe Familie und Beruf zu vereinbaren – wirklich beschämend für ein fortschrittliches Land wie unseres.Weitere Vorträge wurden von Prof. Dicke, Präsidiumsmitglied der Hochschulrektorenkonferenz ( HRK ) und Herrn Prof. Siewert 1. Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika in Deutschland ( VUD ) gehalten, die den Überblick eines kleinen Medizinstudenten etwas zu überschreiten vermochten, da uns die nötigen Insiderinformationen fehlten.Am Abend bei der Festveranstaltung wurde im neuen Rathaus in Hannover der Ars – legendi – Preis für exzellente Lehre in der Medizin verliehen – an Prof. Peter Dieter ( Dresden ) und Prof. Jürgen Schäfer ( Marburg ), desweiteren wurden Urkunden zum Master of Medical Education ( MME ) an viele verschiedene Personen ausgehändigt.Der nächste Tag fing verheißungsvoll an mit, man glaubt es kaum, Dr. House – und zwar bietet die Uni Marburg tatsächlich Seminare basierend auf dieser US Serie an, da sie festgestellt haben, dass Medizinstudenten so einfacher seltene Stoffwechselkrankheiten und komplexe Vorgänge etc. erlernen könnten – für dieses Novum gab es wie oben beschrieben den Ars – legendi – Preis. Höhepunkt dieses 71. oMFT sollte natürlich der Vortrag von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler sein zum Thema „ Die Bedeutung der Hochschulmedizin für ein modernes Gesundheitssystem “. Im Zuge seiner Vorschläge zur Einführung einer Landarztquote und der Abschaffung des Numerus Clausus, haben wir uns alle auf eine spannende Diskussion mit ihm gefreut, und ich hätte ihn nur zu gerne über evtl. Fortschritte im Falle PJ deutschlandweit befragt – aber es kam anders als erhofft, denn Herr Rösler sagte seinen schon seit langem feststehenden Besuch ab, da er Berlin anscheinend unmöglich verlassen konnte.Die Enttäuschung stand uns allen ins Gesicht geschrieben!! Trotz dieses Rückschlages war es eine durchaus gelungene Veranstaltung!!

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