Die Integration und die Auswirkungen auf die Kommunen

Frau OB a.D. Beate Weber im „studium generale“

Herr Prof. Dr. Martens und OB a. D. Beate WeberAm Mittwoch, den 01.04.09, referierte Frau Oberbürgermeisterin a.D. Beate Weber an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl im Rahmen des „studium generale“. Ihr Thema war „Die Integration und die Auswirkungen auf die Kommunen“. Nach der Begrüßung durch den Prorektor Prof. Dr. Martens und Norman Liebing, den Vorsitzenden des Politikreferates der Hochschule und der LHG Kehl, erläuterte Frau Weber zunächst einige mögliche Gründe für Migration, um mit einer persönlichen Definition des Wortes „Integration“ anzuschließen.Integration sehe sie als einen ethischen Grundsatz an. Sie sei ein Prozess, dessen Ziel eine Gesellschaft sei, in der jeder Mensch akzeptiert wird und teilnehmen könne, soweit er dies wolle. Dabei bedeute Integration nicht das Aufgeben der eigenen Kultur. Vielmehr gelte es, dass den Menschen ihre Individualität und Eigenständigkeit belassen wird, sie aber dennoch „dazu gehören“. Sie wies auf die zum Teil sehr scharfe politische Diskussion zu diesem Thema hin, doch werde dabei häufig verkannt, dass viele Krankenhäuser oder Altenheime ohne Mitarbeiter mit Migrationshintergrund wohl nicht mehr funktionieren würden.Auch Menschen mit Behinderungen müssten integriert werden, denn „Alle Unterschiede, die es zwischen Menschen gibt, können Auslöser für Ausgrenzung und Separation sein“, so Weber. Als Stadt oder Land müsse man darauf adäquat reagieren.Frau Weber sprach sich für den barrierefreien Zugang zu sämtlichen öffentlichen Gebäuden und Schulen aus. Auch in Bezug auf die Nutzung der kommunalen Internetdienste, z.B. für sehbehinderte oder hörgeschädigte Menschen, würden teilweise noch Missstände herrschen. Frau Weber wies auf das Problem der schlechten Bildung von Migranten hin, welches es dringend zu beheben gelte. Deutschland läge beim Thema Integration auf einem der letzten Plätze im OECD Vergleich. Integration bedeute auch die chancengerechte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen. Im Schulsystem ergeben sich hier für Migranten erhebliche Nachteile. Auch Menschen mit Behinderung würden in Deutschland deutliche seltener als in anderen EU-Ländern „normale Schulen“ besuchen. Nun stelle sich natürlich die Frage, was die Kommunen tun könnten, um die zahlreichen Probleme in den Griff zu bekommen.

Als positives Beispiel nannte Frau Weber den Stadtentwicklungsplan der Stadt Heidelberg. Darin wird eine Beteiligung der Bürgerschaft, insbesondere der Behinderten- und Migrantengruppen, angestrebt. Deren Bedürfnisse sollten hierbei besonders berücksichtig werden. Ein Beirat für Menschen mit Behinderungen ist in Heidelberg bereits etabliert.Spezifische Angebote für benachteiligte jugendliche Migranten wurden entwickelt. Darüberhinaus gehe die Stadt Heidelberg aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit vor. Schon in den Kindergärten werde damit begonnen, Kinder davor zu bewahren, fremdenfeindlich zu werden. Hier würden die Kinder verschiedenste Märchen oder die Musik anderer Kulturen kennen lernen, um so die Angst vor fremden Kulturen und Verhaltensweisen abzubauen.Es gebe Menschen, die auf Veränderungen mit Sorgen und Angst reagieren. Das sei jedoch ganz normal. Es müssten deshalb bereits in den Kindergärten auch behinderte Kinder integriert werden. In manchen Städten würden diese oft separiert und benutzen andere Schulen und Busse. Erst wenn Behinderte häufiger im öffentlichen Leben präsent sind, haben Kinder die Chance zu lernen, dass diese „ganz normale Menschen“ seien, so Weber.Im Anschluss an ihre Rede stand die Referentin bereitwillig für Fragen der Studierenden zur Verfügung.

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