Wehrungerechtigkeit – eine notwendige Folge der Wehrpflicht?

Am Mittwoch, den 20.05.2009, fand die nunmehr vierte Veranstaltung im Rahmen des Studiums Generale statt, welche gemeinsam vom Politikreferat und der LHG Kehl organisiert wurde. Als Referent konnte Herr Dr. Werner Glenewinkel, Lehrbeauftragter für Staatrecht an der Hochschule für öffentliche Verwaltung NRW und Vorsitzender der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V., gewonnen werden.

Dr. Glenewinkel und Norman LiebingDr. Glenewinkel begann seinen Vortrag mit einer kurzen Vorstellung des Vereines. Dieser entstand 1957, wenige Jahre nach Gründung der Bundeswehr. Ziel sei das Recht auf Kriegsdienstverweigerung von jungen Männern in der Bundesrepublik durchzusetzen. Außerdem verfolge die Zentralstelle die Abschaffung der Wehrpflicht. Dr. Glenewinkel erläuterte den Aufbau seines Vortrages. Er nannte Argumente, welche die Befürworter der Wehrpflicht vorbringen und entkräftete diese.

Ein bekanntes Argument sei beispielsweise, dass die Bundeswehr auf die Wehrpflichtigen angewiesen sei. Dem entgegnete Dr. Glenewinkel, dass der momentane Anteil von Wehrpflichtigen in der Bundeswehr nur 12% betrage. Zudem übersteige die Zahl der Bewerbungen für Stellen als Berufssoldat bei weitem den Bedarf. Demnach könne die Bundeswehr auch ohne Wehrpflichtige ihre Leistungsfähigkeit beibehalten und zusätzlich ca. 1,5 Mrd. € jährlich einsparen. Zudem müsse man beachten, dass die Wehrpflichtigen der Bundeswehr nach der Grundausbildung nur für 3 Monate für die Aufgabenerfüllung zur Verfügung stehen und nicht an Auslandseinsätzen teilnehmen.

Dr. Glenewinkel erörterte ein Problem, dass sich in logischer Folge, nämlich der Abschaffung des Zivildienstes, ergäbe. Oft wird befürchtet, dass in diesem Falle die soziale Versorgung zusammenbreche, jedoch zeigt die Shell-Jugend-Studie von 2003, dass ein großer Teil der Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren Interesse an einem Freiwilligen Sozialen Jahr hätten oder ihnen nicht diese Möglichkeit nicht bekannt war. Würden nur 10% eines Jahrgangs dieses FSJ ergreifen, so hätten die sozialen Einrichtungen keine Probleme bei der Bewältigung ihrer Aufgaben.

Im zweiten Teil des Vortrages ging Dr. Glenewinkel auf die Art und Weise einer möglichen Abschaffung der Wehrpflicht ein. Laut Grundgesetz befinde sich die Bundeswehr im ausschließlichen Kompetenzbereich des Bundes. Es sei ein Irrtum, dass das Grundgesetz die Wehrpflicht vorschreibe, vielmehr legitimiere der Artikel 12a lediglich die Möglichkeit der Heranziehung von jungen Männern zum Wehrdienst. Dies habe das Bundesverfassungsgericht 1978 in einem Urteil bestätigt. In den letzten Jahren sei ein deutlicher Wandel bei Urteilsentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts bemerkbar. Zwar habe dieses die Wehrpflicht noch nicht für verfassungswidrig erklärt, jedoch gab es bei Entscheidungen „abweichende Voten“, das bedeutet, dass die Richter unterschiedlicher Auffassung waren.

Als ein weiteres Ziel sah Dr. Glenewinkel einen Wandel hin zu einer Zivilgesellschaft, in der Konflikte auf friedlicher Weise gelöst würden. Dies sei auch wünschenswert, da Deutschland drittgrößter Waffenexporteur sei. Im Anschluss beantwortete Herr Dr. Glenewinkel die Fragen der Studierenden.

Schreibe einen Kommentar