Dr. Birgit Arnold: “Das Kopftuch ist mehr als ein Stück Stoff.”


Die schulpolitische Sprecherin der FDP/DVP-Landtagsfraktion, Dr. Birgit Arnold, hat das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Mannheim begrüßt. Danach darf eine baden-württembergische Lehrerin nicht mehr mit Kopftuch unterrichten. Nach den Worten von Arnold lehnt die FDP/DVP-Landtagsfraktion das Kopftuch an den öffentlichen Schulen nach wie vor ab, auch in einem möglicherweise individuell begründbaren Einzelfall. Das Kopftuch sei mehr als ein Stück Stoff.

Arnold: „Das Kopftuch kann in einem religiösen Kontext getragen werden. Aber es steht bei der Mehrzahl der Muslime für die Ungleichbehandlung von Mann und Frau. Wir wollen alles aus unseren Schulen heraushalten, was als Ausdruck von Intoleranz und Frauenfeindlichkeit gewertet werden kann. Hier fühle ich mich auch besonders als frauenpolitische Sprecherin unserer Fraktion in der Pflicht.“

Seit mehr als 200 Jahren kämpften Frauen in Mitteleuropa um die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in allen seinen Formen – im sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bereich. Arnold: „Wir wollen diesen Weg weitergehen. Wir wollen nicht umkehren. Wir wollen und wir werden weiter kämpfen für eine Gesellschaft, in der alle, Männer und Frauen, ihren gleichberechtigten Platz finden. Und da hat das Kopftuch in der Schule nichts verloren.“

Auch die Frage, ob die Ordenstracht mit dem Kopftuch gleichgesetzt werden kann, sei in diesem Zusammenhang schon sehr intensiv und kontrovers diskutiert wurden. Arnold: „Möglicherweise ist hier eine Schwachstelle des Paragraphen 38 im Schulgesetz. Denn es wird zu Recht in der öffentlichen Diskussion darauf hingewiesen, dass das Grundgesetz nur eine Religionsfreiheit als Menschenrecht aufführt. Es fordert die strikte Gleichbehandlung aller Glaubensgemeinschaften. Es unterscheidet nicht zwischen privilegierten und weniger privilegierten Religionen.“

Das Landesgesetz versuche diese Klippe zu umschiffen und verweise auf den christlichen Erziehungsauftrag in unserer Landesverfassung, so Arnold. „Möglicherweise wird hier das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen, ob die Berufung auf unsere Landesverfassung mit dem Vorrang für eine christliche Erziehung mit dem Recht auf Religionsfreiheit vereinbar ist.“

Quelle: Mediendienst Nr. 808 der FDP/DVP-Landtagsfraktion vom 19. März 2008

Fotos: Wikipedia - v.l.n.r. Burka, Kopftuch, Tschador, Kopftuch
Zum Weiterlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kopftuchstreit

Geposted von Alexander Schopf am 19.03.2008 | In Frauenrechte |


Eine Antwort auf “Dr. Birgit Arnold: “Das Kopftuch ist mehr als ein Stück Stoff.””

  1. Muiriel Thierhoff Sagt:

    Es ist peinlich, in einem Land zu leben, wo selbst die liberale Partei für das Kopftuchverbot eintritt und sich am allgemeinen Wettkampf beteiligt, wer das beste Argument findet, mit dem man das Verbot begründen kann, statt Werte wie das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Glaubensfreiheit, Bekenntnisfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz zu verteidigen, wenn sie für eine Minderheit bedroht sind.

    Das Kopftuch kann viele verschiedene Bedeutungen haben und ich bezweifle nicht, dass in einer gewissen Anzahl von Fällen Kopftuchträgerinnen unterdrückte Frauen sind. Aber selbst wenn man wie – leider nicht nur – Frau Dr. Arnold einfach mal alles über den gleichen Kamm schert und flugs das Kopftuch zum Symbol für die Unterdrückung der Trägerinnen umdeutet, ist das absolut keine Begründung für ein Kopftuchverbot. Im Gegenteil: Es hilft sicher keiner unterdrückten Frau, wenn man die sichtbaren Anzeichen ihrer Unterdrückung verschwinden lässt - Schade, es wäre so eine einfache Lösung! Genauso kontraproduktiv ist es, wenn man sie vor die Entscheidung zwischen ihrem Kopftuch und dem Lehrberuf stellt, der wohlgemerkt doch ein ganzes Stück Emanzipation voraussetzt.
    Vor allem aber ist es diskriminierend und schlicht und einfach falsch, das Kopftuch so eindimensional zu betrachten. Das Kopftuch kann aus kultureller Gewohnheit, als politisches Symbol, aus religiöser Überzeugung, als Zeichen der Würde der Frau und aus unzähligen anderen Gründen getragen werden. Jede Pauschalisierung, die eine Kopftuchträgerin deswegen automatisch als unterdrückte Frau, als politische Extremistin oder religiös Missionierende sehen will, blendet den größten Teil der Wirklichkeit aus und macht das Kopftuch zum Stigma. Ein Stigma, das Ausgrenzung, Diskriminierung, Hass, Gewalt gegen Kopftuchträgerinnen und Muslime im Allgemeinen fördert, ihnen den Zugang zu Bildung, Ausbildung und zum Arbeitsmarkt erschwert und ihnen vermittelt, dass sie in unserer Gesellschaft unerwünscht sind und ihre Kultur, Religion, Tradition und Werte verachtet werden. Wenn wir Integration verhindern und Parallelgesellschaften voranbringen wollen, dann nur weiter so!

    Ich empfehle Frau Dr. Arnold eine Lektüre der Untersuchung zum Kopftuch der Konrad-Adenauer-Stiftung, der man wohl wirklich keine Voreingenommenheit für das Kopftuch unterstellen kann: http://www.kas.de//db_files/dokumente/zukunftsforum_politik/7_dokument_dok_pdf_9095_1.pdf?070807122758
    Diese Studie widerlegt die Annahme, dass das Kopftuch in der Mehrheit der Fälle für die „Ungleichbehandlung von Mann und Frau“ steht.

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