

Die SPD will Studiengebühren bundesweit abschaffen. Schönes Ziel: Nur wirbt sie dafür mit der völlig falschen Person.
Ihr Gesicht ist derzeit in jeder Stadt, in jedem Dorf, an jeder größeren Landstraße zu sehen. Blond, sympathisch lächelnd, Kinn auf die Hand gestützt, im Hintergrund unverkennbar ein Hörsaal. Daneben der Satz: “Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen. Und deshalb wähle ich SPD.”
Ob die Bildung der jungen Dame vom Konto ihrer Eltern abhängt, ist nicht ganz klar. Klar ist aber: Jennifer M. (23), die auch Juso-Kandidatin in Duisburg für die anstehende Kommunalwahl in NRW ist, zahlt Studiengebühren. Und zwar vollkommen freiwillig.
Die Studentin lernt an einer teuren Privat-Uni in Düsseldorf das Handwerk der Tourismus- und Eventmanagerin. Es ist das Euro Business College in Düsseldorf, das diesen Studiengang anbietet. Werbespruch der Privat-Uni: “Kommen Sie nach Düsseldorf und lassen sich individuell über alle Möglichkeiten des privat zu finanzierenden Studiums informieren.”
Die Kosten liegen weit über dem, was sie an einer staatlichen nordrhein-westfälischen Hochschule hinlegen müsste. Dort kostet ein Semester bis zu 500 Euro, wobei die Universitäten auch einen geringeren Satz verlangen können. Die Uni Bonn etwa verlangt 400 Euro.
Das Semester am European Business College schlägt dagegen mit 590 Euro zu buche – pro Monat. Hinzu kommen Gebühren für Prüfungen und Unterrichtsmaterialien. Die Gesamtkosten belaufen sich laut der Gebührenordnung der Uni, die sueddeutsche.de vorliegt, auf 23.940 Euro. An einer NRW-Uni reicht das für 47,8 Semester.
Das Plakat könnte jetzt dazu beitragen, den Wahlkampf der SPD zu diskreditieren. Der nordrhein-westfälische FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Kauch sagte sueddeutsche.de: “Das ist nicht sehr glaubwürdig. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass Gebühren den Zugang zu einem guten Studium ermöglichen.”
Quelle: http://www.sueddeutsche.de, SPD