Europaparlament besitzt Nackt-Scanner!
Nach den ersten Berichten über Nackt-Scanner brandete eine Woge der Entrüstung aus dem Europarlament. Die Technik sei mit der menschlichen Würde nicht zu vereinbaren, hieß es damals. Nun stellt sich heraus: Auch in den Kellern des Parlaments stehen solche Geräte.
Die Ware ist schwer verkäuflich - und daran ist der letzte Besitzer nicht ganz unschuldig. Sechs neuwertige, originalverpackte Nackt-Scanner lagern in den Kellern der beiden Europaparlamentssitze. Drei in Brüssel, drei in Straßburg. Nun sollen die Elektro-Spanner verkauft werden.
Vorschnelle Kritik?
Sie sind dem Abgeordnetenhaus mittlerweile nur noch peinlich. Denn es waren die Europaabgeordneten, die zu allererst gegen die Brüsseler Pläne zur flächendeckenden Einführung von Nackt-Scannern mobil gemacht hatten. Und nun hatten die Parlamentarier selbst solche Dinger im Keller, erinnert sich CSU-Mann Markus Ferber. “Wir hatten kaum das Thema Nackt-Scanner auf Flughäfen aufgegriffen, da musste die Verwaltung einräumen, dass wir im Parlament selbst solche Geräte besitzen.”
Vorbereitungen auf den Ernstfall
Angeschafft worden waren die Durchleuchtungsgeräte, die wie Duschkabinen aussehen und Ganzkörper-Nacktbilder erstellen, nach den Terror-Anschlägen von Madrid und London. Die Verwaltung des Europaparlaments wollte Vorkehrungen treffen für den Fall, dass auch in Brüssel oder Straßburg Sicherheitsstufe Eins ausgerufen werden sollte.
Teurer High-Tech-Schrott
120.000 Euro pro Stück - das war der Preis für diese Sicherheit. Security-Berater hatten die Ganzkörper-Scanner seinerzeit wärmstens empfohlen, die Verwaltung bestellte sie ohne Wissen und Genehmigung der Abgeordneten. High-Tech-Schrott sind sie nun - und haben will sie auch niemand, vermutet CSU-Fraktionschef Ferber. Schließlich waren es ja die Abgeordneten selbst, die dem Rest der Welt den Einsatz der Geräte madig gemacht haben. Ferber meint, es stehe dem Parlament nicht zu, die Scanner nun an einen Flughafen zu verkaufen. “Schließlich wollen wir sie dort nicht sehen”, so der CSU-Mann aus Augsburg.
Ein Fall fürs Museum
Sein Fazit deshalb: Das Europaparlament hat ein schwer verkäufliches Produkt im Keller. Das zudem nach vier Jahren technisch veraltet ist. Und so verstauben die Nackt-Scanner erst einmal weiter im Untergrund des Europaparlaments - bis sie irgendwann vielleicht einmal im Museum landen: als besonders absurdes Beispiel für den weltweiten Sicherheitswahn.









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