Hochqualifizerte Migranten wandern aus
Auch das noch: Viel zu wenige Migrantenkinder studieren. Und die, die es zum Abschluss schaffen, verlassen das Land. Spiegel Online berichtet:
Jung, gut und unerwünscht
Hochqualifizierte türkischstämmige Akademiker wandern aus, weil sie sich in Deutschland missachtet fühlen - in anderen Ländern werden die Talente umworben.
Für das Bewerbungsgespräch bei einer großen Möbelfirma in der Nähe von Mönchengladbach hatte sich Oguz-Han Yavuz ordentlich in Schale geworfen: feiner Anzug, weißes Hemd, silberfarbene Krawatte. Als dem Betriebswirt der Bus vor der Nase wegfuhr, beschloss er, ein Stück zu Fuß zu gehen. Doch er kam nicht weit. “Was lungern Sie hier herum?”, sagt Yavuz, habe ihn ein Polizist angeherrscht, der seinen Streifenwagen neben ihm zum Stehen gebracht hatte. Obwohl Yavuz keineswegs wie ein Stadtstreicher aussah, bestand der Beamte darauf, dessen Personalien zu überprüfen. Nachdem er seinen Ausweis zurückbekommen hatte, sagte Yavuz “Tschüs”. Der Polizist sagte nichts. Das war der Moment, so erzählt es Yavuz, 30, in dem er genug hatte. Genug von diesem Land, genauer gesagt: genug davon, in diesem Land Türke zu sein. Er ist in Neuss geboren und besitzt seit 13 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber er hat eine dunklere Haut als die meisten Deutschen. Deshalb wird er beim Einkaufen oder in der Bank immer wieder gefragt: “Verstehen Sie Deutsch?” Der Betriebswirt will nun das Land, in dem er geboren wurde und aufgewachsen ist, verlassen. Er plant, in die Türkei auszuwandern. Sein älterer Bruder ist Pilot bei der Fluglinie Emirates und wohnt in Dubai. “Aber ich würde auch nach China gehen”, sagt Yavuz. “Ob ich am Ende in Deutschland oder im Ausland Ausländer bin, spielt keine große Rolle.” Yavuz ist Teil einer Bewegung, die türkischstämmige Akademiker in Deutschland erfasst hat. Viele der klügsten Köpfe der rund 2,7 Millionen Menschen starken türkischen Community werden, wie einst ihre Eltern, zu Migranten - allerdings in entgegengesetzter Richtung: Sie kehren Deutschland den Rücken, weil sie sich hier unerwünscht fühlen und anderswo bessere Chancen sehen. Aus Kindern von Einwanderern werden Auswanderer.
[…] Das Krefelder Institut futureorg hat gerade 250 türkische und türkischstämmige Akademiker befragt, von denen knapp drei Viertel in der Bundesrepublik geboren wurden. Laut einer Zwischenauswertung erklärten 38 Prozent, sie wollten in die Türkei auswandern. Als Begründung gaben 42 Prozent an, in Deutschland fehle ihnen das “Heimatgefühl”. Fast vier Fünftel bezweifelten, “dass in Deutschland eine glaubwürdige Integrationspolitik betrieben wird”.
Welche Migrantenkinder dann hier bleiben ist klar. So funktioniert Integration garantiert nicht:
Denn die, die hier bleiben, das seien auf jeden Fall die Ungebildeten, die weder richtig Deutsch können noch richtig Türkisch. “Die bleiben schon deshalb”, meint Bökli, “weil nirgendwo sonst ein vergleichbares Sozialsystem verfügbar ist.”
Wissenschaftler des Essener Zentrums für Türkeistudien gehen davon aus, dass im Schuljahr 2004/05 viermal mehr Schüler mit türkischem Hintergrund Hauptschulen besuchten als Gymnasien. “Die Hartz-IV-Empfänger wandern nicht aus”, sagt die Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün. Für sie ist die Abwanderung der Akademiker “ein Horrorszenario”. Es verschwänden genau diejenigen, die Brücken zur deutschen Mehrheitsgesellschaft schlagen könnten.
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,554163-2,00.html
Na klasse. Erst bilden wir sie aus und dann lassen wir sie fallen. Und die auf der Strecke gebliebenen zahlen wir aus unseren Steuermitteln auch noch. Das grenzt an politisches Totalversagen.
Die Liberalen Forderungen sind klar: Mehr Einwanderung klar nach Punkten, garantierte Bleiberechte und bessere Bildungsperspektiven.
Eine Antwort auf “Hochqualifizerte Migranten wandern aus”
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Mai 30th, 2008 am 16:19
[…] Hingegen sind Themen wie Bildung, Kampf gegen rechtsextreme Gruppierungen, Integration von Migranten oder die Rolle Europas hinsichtlich der Konflikte im Nahen Osten von einem Kaliber, wo der Leser sich doch glatt mal aufrecht hinsetzt. Natürlich ist auch hier die Motivation für den Eingang dieser Themen ins Magazin, dass die Stiftung ihre eigenen Projekte vorstellen und damit ihren Außenauftritt verbessern kann. […]