Wissenschaft entdecken – Tag der Wissenschaft 2007

www.uni-stuttgart.de/tag“Die mobile Gesellschaft – Konzepte und Perspektiven”
Samstag, 23. Juni 2007, ab 14.00 Uhr

Dass Mobilität mehr ist als mit dem Auto von A nach B zu fahren, beweist die Universität Stuttgart an ihrem Tag der Wissenschaft mit vielen Exponaten, Experimenten, Mitmachaktionen und Vorlesungen:

  • von eLearning bis zu Biomechanik
  • von Handy-TV bis zu freiem Fall
  • von Roboter-Schwarm bis zu Airbags
  • von Origamifalten für den Leichtbau bis zu Fahrzeugen im Windkanal
  • von mobiler Produktionsplanung bis zu relativistischen Fahrradfahrten
  • von Astronauten bis zu virtuellen Spritztouren

www.uni-stuttgart.de/tagDies ist nur eine kleine Auswahl, es gibt noch viel mehr zum Thema „Die mobile Gesellschaft – Konzepte und Perspektiven“ beim Tag der Wissenschaft an der Universität Stuttgart zu entdecken.

Der Tag der Wissenschaft ist in zwei Veranstaltungsblöcke aufgeteilt: Von 14:00 – 19:00 Uhr präsentieren sich die Institute und Einrichtungen der Universität; und als Abschluss findet ab 19:00 Uhr die Science Party auf dem Campus Vaihingen statt.

Programm als pdf zum Download…

Ich war in den vergangenen Jahren öfters mal da. Fazit: Empfehlenswert.

Müntes Welt

Münte, Hagemann, KumpfAlles, was Rang und Namen in der deutschen Politik hat, pilgert die Tage nach Heiligendamm. Nur unser Vizekanzler Franz Müntefering nicht. Er fand Zeit und Lust an der Uni Hohenheim am Dienstag Abend vor 600 Studierenden seine Sicht der Dinge zu schildern.

Und, oh Welt oh Wunder, ich traute meinen Ohren kaum, saß ich doch zweieinhalb Stunden in einer Veranstaltung mit einem sozialdemokratischen Arbeitsminister und stimmte in fast allen Punkten mit ihm überein. Was war passiert?

Das Thema des Abends war “Arbeit um jeden Preis?”. Münte stellte, aus meiner Sicht hervorragend, die Arbeit und das korrespondierende Einkommen als nicht(!) primär volkswirtschaftliche Größe dar, sondern definierte beides als Basis für ein selbstbestimmtes, menschenwürdiges Dasein. Stimmt, dachte ich, nickte, klatschte aber noch nicht.

Dann forderte er die Einführung des Mindestlohnes, begleitet von wissenschaftlicher Unterstützung durch den Hohenheimer Arbeits-Ökonomen Prof. Dr. Harald Hagemann, der die Existenz der Mindestlöhne in 20(!) europäischen Ländern und den USA erläuterte. Ich bin seit langem Anhänger der Mindestlohntheorie*. Also nickte ich. Und klatschte erstmals.

* Warum?, mögen Sie sich fragen, das ist doch keine liberale Position? Falsch! De facto sind über 90% aller Anträge der Liberalen, die jemals im Bundestag eingebracht wurden PRO Sozialstaat gewesen. Die derzeitige Ablehnung der Mindestlöhne durch Teile der FDP beruhen einerseits auf parteipolitische Gründe (gegen Rot/Grün) und andererseits auf einem Missverständnis. Wenn Mindestlöhne einen staatlichen Eingriff in einen freien Markt bedeuteten, dann wären sie falsch. Tun sie aber nicht, weil unser Arbeitsmarkt dermaßen reguliert ist, dass er kein freier Markt ist.

Münte sprach sich gegen Kombilöhne aus. Nun runzelte ich die Stirn angestrengt. War mein Abend jetzt zu Ende? Nein! Er fand eine super Begründung: Wenn die Gemeinschaft der Steuerzahler über Kombilöhne die Preise einzelner Unternehmen nach unten subventioniert, dann verzerrt das den freien Markt. Hurraa! Und das aus dem Munde eines alten sozialdemokratischen Haudegens? Er hat recht. Warum sollten einige Unternehmen sich dadurch staatlich diktierte Niedrigpreise erlauben dürfen, wenn die Lohnkosten künstlich gesenkt werden? Das ist für alle ungerecht: Für die Steuerzahler, für die Konkurrenzunternehmen und für den Arbeitnehmer selbst. Ich war verblüfft und klatschte. Diesmal sogar laut.

Münte sprach über polnische Wanderarbeiter, die nicht mehr nach Deutschland kommen, um Spargel zu stechen, weil die Löhne in Polen auch schon so hoch seien. Oder die 8 Euro in Frankreich… Bald haben wir wahrscheinlich die Wanderung in die andere Richtung… Er sprach über die Verantwortung der Jungen(!), die mit dem Primat der Politik gestalten müssen. Und dazu erstmal einen Willen zum Gestalten haben müssen. Bravo!

Den größten Punktgewinn konnte Münte allerdings mit seinen bildungspolitischen Aussagen machen. Sein Leitspruch war: Bildung,Bildung,Bildung. Richtig! Ich klatschte also wieder. Dann “wir müssen Hochtechnologieland sein. Billig können andere besser.” Super Satz. Er wolle an der Rente sparen und das Geld in die Köpfe der Jugend stecken, so Münte. Alles richtig, dachte ich. Auf den Hinweis von Prof. Hagemann, das alles seien doch nur Sonntagsreden, erwiderte Münte: “Aber heute ist ja Dienstag…”

Natürlich bombardierten die konservativ angehauchten Hohenheimer den Vizekanzler mit “ineffizienten Güterallokationen” und konfrontierten den Nicht-Studierten mit der Tatsache, dass die Putzfrau an der Uni mehr verdient als der Doktorand nach zig Jahren Studium. Meine Rede! Das ist in der Tat eine Schweinerei, die dazu führt, dass die guten Köpfe von der Uni flüchten und übrig bleibt, na ja, wir sehen’s ja in PISA…

Aber Münte zog sich mit viel Charme aus der Bredouille, erzählte aus den Sechzigern und zitierte Helmut Schmidt, der neulich in der SPD-Fraktion erklärte, dass “ihr alle keine Ahnung habt”. Er allerdings auch nicht mehr, laut Eigenaussage.

“Gegen Globalisierung sein ist Quatsch. Sie ist da, sie ist Fakt und wir müssen sie gestalten wollen”, so Münte zur Frage nach G8. Recht hat er. Übrigens auch Geißler mit der Anmerkung, dass 1800 Milliarden Dollar Transaktionen täglich nur 70 Milliarden an Werten gegenüber stehen. Der Rest ist “Luftgeld”. Also reine Spekulation.

Da wabert also eine riesen Blase an Spekulation um die Welt, unkontrolliert, genährt durch Heuschrecken und andere äußerst unangenehme Zeitgenossen. Das muss man kontrollieren, in internationalen Regimen. Wir brauchen eine Transaktionssteuer a la Attac! Das ist Marktwirschaft pur. Denn sie würde eben die Märkte vor unlauterem Wettbewerb schützen(!). (Dazu bald mehr unter www.besserland.de)

An dieser Stelle ist es m.E. Zeit zum Umdenken. Schließlich haben wir auch eine Regulierungsbehörde für den Telekommunikationsmarkt, die Jurispudenz, das Apotheker-, und Arztwesen, das Gewalt-, und Branntweinmonopol… Sie sehen, auch wirtschaftlich weit unwichtigere Bereiche sind in unserer “Marktwirtschaft” reguliert.

Summa summarum ein erstaunlicher Abend. Passend dazu fragte ein mir unbekannter, wohl liberaler Student Münte nach seinem Zeit-Interview, in dem er eine Koalition mit der FDP für 2009 in Betracht zieht… Das täte ich auch. Mit Münte. Aber nur mit Münte alleine. Wenn ich dann an die anderen GenossInnen in der Chaostruppe denke, dann war’s auch wieder vorbei. Münte, ach Münte. Hätte die SPD doch nur ein paar mehr Deines Kalibers. Dann käme das sozial-liberale Herz wieder kräftig in Wallung…

SPON: Der große Gebühren-Schwindel

Da werden Gebäude saniert, Heizungskosten umgelegt, Lehrveranstaltungen umdeklariert und “kreative Haushaltsführung” praktiziert. Wovor die LHG-BW immer schon gewarnt hat, tritt ein: Von wegen Verbesserung der Studienbedingungen. Der Staat zieht sich aus der Finanzierung der Hochschulen immer mehr zurück und lässt die Studierenden die Zeche zahlen. Spiegel Online über den Betrug mit Studiengebühren:

Ehrliche Worte zu einem unfairen Spiel: “Wir fahren das Angebot zurück und bieten es dann aus Studiengebühren wieder neu an”

…Wie im Fall des seit 1969 bestehenden Projekt- und Studienzentrums an der Fakultät Raumplanung der Uni Dortmund. Durch ein Finanzloch im Fakultätshaushalt von rund einer halben Million Euro müsste das Zentrum in diesem Semester geschlossen werden. “De facto ist es so, dass wir das Angebot zurückfahren und dann aus Studiengebühren wieder neu anbieten”, sagt Dekan Hans-Peter Tietz.

…Studentenvertreter aus Baden-Württemberg monieren, “ganz zufällig” laufe im Gebührenjahr 2007 ein Großteil der staatlichen Zuschüsse für Tutorien oder die Zentren für Schlüsselqualifikation aus. Die Zentren waren geschaffen worden, um die Standards der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge zu sichern. Die Tutorien wie auch die Zentren seien keine Pflichtaufgabe der Universitäten, hält eine Sprecherin des Stuttgarter Wissenschaftsministeriums dagegen. Es sei von vornherein klar gewesen, dass es sich bei diesen Maßnahmen nur um eine “Anschubfinanzierung” handele.

Auch ein warmer Hörsaal könnte bald zum Extra gehören, für das Studenten zahlen. So will die Universität Ulm nicht ausschließen, ihre Gebühren zur Deckung der gestiegenen Energiekosten (mehr…) zu verwenden. Ende Dezember waren diese Pläne öffentlich geworden, das Stuttgarter Wissenschaftsministerium sagte daraufhin zusätzliche sechs Millionen Euro zu – für alle Universitäten im Ländle. “Davon kommen bei uns aber nur 250 000 Euro an”, klagt der Ulmer Vizepräsident Ulrich Stadtmüller. Übrig bleibt ein Defizit von rund einer Million Euro. Um das zu decken, seien auch die Studiengebühren nicht tabu – allerdings auf dem Umweg kreativer Haushaltsführung.

Mehr zur unglaublichen Praxis bei der Verwendung von Geldern der Studierenden unter:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,480885-2,00.html

Manager-Magazin: “Wir verschlafen den Bildungsboom”

AKADEMIKERMANGEL: “Wir verschlafen den Bildungsboom”

Vom Kinderhort bis zur Uni – Deutschland bereitet seinen Nachwuchs schlecht auf die Berufswelt vor, kritisiert Andreas Schleicher (“Mr. Pisa”). Im Interview des Manager-Magazins erklärt der OECD-Bildungsexperte, warum der Akademikerbedarf steigt und das deutsche Schulsystem unzeitgemäß ist.

akademikerquote

Frage: Herr Schleicher, die OECD kritisiert seit langem, Deutschland habe zu wenige Akademiker. Worauf fußt dieser Befund?

Andreas Schleicher: Die Nachfrage nach Akademikern steigt schon seit geraumer Zeit deutlich schneller als das Angebot. Das spiegelt sich auch in den relativen Einkommen wider: Der Einkommensvorteil einer akademischen Ausbildung gegenüber den Absolventen einer klassischen Lehre im dualen System ist seit 1998 von 30 Prozent auf 53 Prozent gestiegen. Ein so starker Anstieg ist außer in Ungarn in keinem anderen Land zu verzeichnen – ein deutlicher Hinweis auf die Knappheit von Humankapital. Auf der anderen Seite haben sich die Aussichten am Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte im gleichen Zeitraum erheblich verschlechtert.

Frage: Mit anderen Worten: Deutschland läuft dem internationalen Trend zur Höherqualifizierung hinterher.

Schleicher: So ist es. Viele Staaten haben auf die veränderten Anforderungen bereits vor Jahrzehnten reagiert. Korea, ein Land, das in den sechziger Jahren das Bruttoinlandsprodukt von Afghanistan hatte, ist von einem der letzten Plätze im OECD-Vergleich in die internationale Leistungsspitze vorgestoßen. Weiterlesen

UNI-EXAMEN MIT 95 JAHREN!

LLL“Ich wollte immer studieren” – Lebenslanges Lernen? Da macht Nola Ochs niemand etwas vor: Als älteste Absolventin der Welt beendet sie in Kansas ihr Studium – gemeinsam mit ihrer Enkelin. Mit 95 Jahren schafft sie es ins Guinness-Buch der Rekorde. Und schmiedet jetzt Pläne für ihre berufliche Zukunft.

Gefunden bei: www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,479906,00.html

Privat-Uni-Sterben Teil II: Auch Bruchsal vor dem Aus!

Geldverbrennung21. März 2007 – Ein doppelt bitterer Tag für die baden-württembergische Bildungspolitik: Zuerst das verheerende UNO-Gutachten zum dreigliedrigen Schulsystem und jetzt auch noch das:

Die International University in Bruchsal, die erste englischsprachige Privatuniversität dieser Art in Deutschland, steht nach Angaben der Gesellschafter vor dem Aus. Grund seien die finanziellen Belastungen, die sich seit der Gründung der Hochschule vor zehn Jahren angesammelt hätten.

Da die nötige Anzahl der Studierenden nicht erreicht wurde, überlege man sich, wie sich der Studienbetrieb überhaupt fortsetzen lassen könne, erklärte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Generell halte er es für sehr schwierig, eine rein private Universität zu betreiben, ohne einen großen finanziellen Sockel durch ein entsprechendes Stiftungskapital zu haben. Generell hätten die Privat-Unis in Baden-Württemberg ihre Rolle jedoch erfüllt, indem sie einige Innovationen an den staatlichen Universitäten vorangebracht hätten, erklärte Frankenberg weiter. , … ,

Die “International University in Germany” (IU) entstand 1997 auf Initiative von Unternehmen und mit staatlichen Zuschüssen als Eliteschmiede. Im Wintersemester 1998 nahmen die ersten Studenten in einer ehemaligen Kaserne ihr Studium auf. Gelehrt werden internationale Studiengänge in Englisch. Im Juli 2000 erhielten die ersten Absolventen ihren Titel “Master of Information and Communication Technology”.

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=2037858/9ssf21/

Wie viele Millionen an Staatsgeldern das wohl gekostet hat? Wir bleiben dran.

SIMT setzt 20 Millionen Euro in den Sand!

GeldverbrennungSpiegel Online vom 16. März 2007:

Manager-Uni wegen Management-Fehlern verramscht

Von Alexander Ross

Das Stuttgarter SIMT (Anmerkung: Stuttgart Institute of Management and Technology) sollte zur Vorzeige-Managerschmiede werden. Es zerbrach an Managementfehlern und wurde zum Grab für viele Millionen, die Landesregierung, Industrie und Stadt hineinpumpten. Jetzt fand das schwäbische Heißluft-Harvardle einen Käufer: Haste mal ‘nen Euro? …

Dabei trat das SIMT als schwäbische Antwort auf internationale MBA-Schmieden an. Gegründet wurde es 1998 als Public-Private-Partnership von namhaften Unternehmen wie Trumpf und Bosch sowie den Universitäten Stuttgart, Hohenheim und Tübingen. Doch peinlich für alle beteiligten Manager und Professoren: Sie versagten offenkundig in genau jener Praxis, die sie anderen beibringen wollten – für Studiengebühren von rund 25.000 Euro.

Jahrelang sah man zu, wie sich Professoren als Manager ausprobierten. Erster SIMT-Präsident wurde im September 2000 Hans J. Tümmers, zuvor BWL-Professor in Reutlingen und Professor für Politikwissenschaft in Straßburg. Tümmers schien den Markt zu kennen, denn er war zugleich Direktor der Management School IECS Strasbourg. Doch Fortüne als Manager hatte er offenbar nicht, was nach drei Jahren zur ersten Fast-Pleite des SIMT und zum Auslaufen seines Vertrages führte.
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Studierende im Verhältnis zur Bevölkerung

Studierende je 1 000 Einwohner – 2005/2006Manchmal sagen ein paar Zahlen mehr als tausend Worte:

Der Anteil von Studierenden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung

5,5% Island
4,0% Finnland
2,6% Deutschland

Im Klartext: Wir haben knapp die Hälfte der Studierendenquote Islands. Island ist neben Finnland derzeit das beste europäische Bildungsland und hat neben stabilem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum auch mit die besten Akademiker in Europa. Mit welchem Modell: Integrierte Ganztagsschule Klassen 1-11, Oberstufe Klassen 12-14 (!) und 19 Hochschulen bei 300.000 Einwohnern. Davon sollten wir lernen.

Oder aber anders ausgedrückt, würde das für Baden-Württemberg heißen: 10 neue Universitäten und 200.000 neue Studierende. Das muss sich Herr Oettinger erst mal leisten können.