EU-Studie: Deutschland wieder nur Mittelmaß

EuropaSechs Jahre nach dem Pisa-Schock kommt Deutschland laut einer Erhebung der Europäischen Union zur Bildung nicht über einen Rang im Mittelfeld hinaus. Während die deutschen Schüler immerhin aufholen konnten, ließen die Leistungen bei den über 20-Jährigen nach.

Die Studie der EU, die am 3.10. in Brüssel vorgestellt wurde, untersucht über den Zeitraum 2000 bis 2006 die Leistungen in Bereichen, die die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen. Deutschland sei in fünf untersuchten Schlüsselbereichen nur “guter Durchschnitt”, sagte die EU-Generaldirektorin für Bildung und Kultur, Odile Quintin. Die besten Ergebnisse innerhalb der EU erzielten danach Polen, die Slowakei, Dänemark, Finnland und Großbritannien.

Laut dem Bildungsmonitor holten die deutschen Schüler zwar bei der Lesefähigkeit sowie den Kenntnissen in Naturwissenschaften und Mathematik
auf. Die Bildungsergebnisse der 20- bis 24-Jährigen verschlechterten sich allerdings im Vergleich zu anderen EU-Staaten. Hauptproblem in Deutschland sei weiterhin die frühe Trennung der Schüler in Hauptschule, Realschule und Gymnasium, sagte Quintin.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,509299,00.html

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Die Fortschritte bei der Erreichung der Ziele, die im Rahmen der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung festgelegt wurden, sind unzureichend. Dies ist das zentrale Ergebnis des Jahresberichts 2007 der Europäischen Kommission über die Erreichung der Lissabon-Ziele im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Der für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend zuständige EU-Kommissar Ján Figel’ erklärte: „Eine qualitativ hochstehende allgemeine und berufliche Bildung trägt maßgeblich dazu bei, dass sich Europa als Wissensgesellschaft weiterentwickeln und in der globalisierten Weltwirtschaft bestehen kann. Leider macht dieser Bericht deutlich, dass die Mitgliedstaaten ihre Anstrengungen verdoppeln müssen, soll die Bildung in der EU den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Die Botschaft an die politischen Entscheidungsträger in den Mitgliedstaaten ist klar: Wir müssen wirksamer in unser Humankapital investieren.“

Einige der wichtigsten Ergebnisse des Berichts:

  • Es gibt nach wie vor zu viele Schulabbrecher. Im Jahr 2006 gingen in der EU etwa sechs Millionen junge Menschen (18 bis 24 Jahre) vorzeitig von der Schule ab. Diese Zahl müsste um 2 Millionen verringert werden, damit die Benchmark – ein Schulabbrecheranteil von höchstens 10 % – erreicht werden kann.
  • Der Anteil der Absolventen der Sekundarstufe II muss erhöht werden. Um die für 2010 vorgegebene EU-Benchmark von 85 % Sekundarschulabsolventen zu erreichen, müsste die Zahl der jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren, die die Sekundarstufe II abschließen, um 2 Millionen gesteigert werden.
  • Die Zielvorgabe für Hochschulabsolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Fächer hat die EU bereits erfüllt.
  • Die Beteiligung von Erwachsenen am lebenslangen Lernen ist unzureichend. Um die angestrebte Teilnahmequote von 12,5 % zu erreichen, müsste die Zahl der Erwachsenen, die innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen an Maßnahmen zum lebenslangen Lernen teilgenommen haben, um weitere 8 Millionen steigen.
  • Auch bei den Lese- und Schreibfähigkeiten der 15-Jährigen sind Verbesserungen erforderlich. Derzeit werden in der EU etwa bei jedem fünften 15-Jährigen schlechte Leseleistungen festgestellt. Zur Erreichung der Benchmark müssten weitere 200 000 Schüler ihr Leistungsniveau verbessern.

Auch in puncto Finanzierung und Effizienz der Bildungssysteme ist die Lage nach wie vor besorgniserregend. Verschiedene Studien haben aufgezeigt, dass Investitionen im Bereich der Vorschulbildung besonders wirksam sind. Im Bereich der Hochschulbildung ist seit der Annahme der Lissabon-Strategie zwar das Volumen der öffentlichen Investitionen deutlich gestiegen (von 4,7 % auf 5,1 % des BIP); in den letzten Jahren stagnierten die Zahlen jedoch, und die EU müsste den pro Studierenden investierten Betrag mehr als verdoppeln (d. h. um etwa 10 000 EUR pro Jahr steigern), um das Investitionsniveau der USA zu erreichen. Diese Kluft ist fast ausschließlich auf einen Mangel an privaten Investitionen zurückzuführen.

Der vollständige Bericht findet sich unter:

http://ec.europa.eu/education/policies/2010/progressreport_en.html

Quelle: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/07/1431&format=HTML&aged=0&
language=DE&guiLanguage=en

Ein Gedanke zu „EU-Studie: Deutschland wieder nur Mittelmaß

  1. Was wohl Frau “Hauptschule ist so toll” Arnold und Herr “Wir sind doch die Besten” Frankenberg dazu sagen? Deutlicher geht’s wohl nimmer, oder?

    Was auf EU-Ebene erkannt ist und benannt wird, kommt hier in der Provinz erst ein paar Jahrzehnte später an.

    Wir hätten es wissen können. Nein, wissen MÜSSEN. Für viele ist es schon zu spät und andere leiden. Warum? Nur weil sich unsere “Bildungs”-politiker nicht eingestehen, dass sie mit Rezepten von gestern keine Schule von morgen machen können?

    “Herr, lass Hirn raa!” (Klaus Kinkel in Schwäbisch Hall)

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