{"id":521,"date":"2010-07-30T21:02:45","date_gmt":"2010-07-30T19:02:45","guid":{"rendered":"http:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/?p=521"},"modified":"2022-02-01T23:31:05","modified_gmt":"2022-02-01T21:31:05","slug":"vortragsabend-zur-praeimplantationsdiagnostik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/?p=521","title":{"rendered":"Vortragsabend zur Pr\u00e4implantationsdiagnostik"},"content":{"rendered":"<div id=\"dslc-theme-content\"><div id=\"dslc-theme-content-inner\"><p><span><span><a href=\"http:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/files\/2010\/07\/plakat-pid.jpg\" title=\"plakat-pid.jpg\"><img decoding=\"async\" align=\"left\" width=\"240\" src=\"http:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/files\/2010\/07\/plakat-pid.jpg\" alt=\"plakat-pid.jpg\" height=\"339\" \/><\/a><\/span><\/span><span><span>Nach der Selbstanzeige eines Berliner Fortpflanzungsmediziners hat der Bundesgerichtshof im Juli diesen Jahres ein unerwartetes Urteil gesprochen, wonach es sich bei der Pr\u00e4implantationsdiagnostik (PID) nicht um einen Versto\u00df gegen das Emryonenschutzgesetz handle, soweit keine \u201etotipotenten\u201c Zellen untersucht werden, also Zellen, die je f\u00fcr sich die F\u00e4higkeit haben, sich zu einem ganzen Menschen zu entwickeln, und sofern die PID nur zur Ermittlung von \u201eschweren\u201c genetischen Sch\u00e4den eingesetzt wird. <\/span><span>Hieran ankn\u00fcpfend lud die LHG Heidelberg am\u00a027.07. im Rahmen der Veranstaltungsreihe \u201eFacetten der Freiheit\u201c zu einer Podiumsdiskussion mit <strong>Professor Dr. med. Claus Bartram<\/strong> (Institut f\u00fcr Humangenetik, Universit\u00e4t Heidelberg) und <strong>Professor Dr. jur. Jochen Taupitz<\/strong> (Institut f\u00fcr Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universit\u00e4ten Heidelberg und Mannheim) ins Neuenheimer Feld ein. <\/span><!--more--><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><\/span><\/p>\n<p><span>Nach einer kurzen, auch f\u00fcr Nicht-Mediziner verst\u00e4ndlichen, methodischen Einf\u00fchrung durch den Humangenetiker Prof. Bartram, skizzierten beide Professoren aus ihrer jeweiligen fachlichen Perspektive die medizinethischen, rechtlichen und \u00f6konomischen Aspekte der PID. Hierbei erg\u00e4nzten sich Prof. Bartram und Prof. Taupitz weitestgehend harmonisch und gingen entgegen den Erwartungen des einen oder anderen Besuchers der Veranstaltung in den wichtigsten Punkten d\u2019accord.<\/span><span>\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span><\/span><span><span>Vor dem aktuellen Urteil des BGH musste die Schwangerschaft <span>nach In-vitro-Fertilisation zun\u00e4chst<\/span> \u201eauf Probe\u201c herbeigef\u00fchrt werden, <span>bevor mittels Pr\u00e4nataldiagnostik<\/span> auf m\u00f6gliche Sch\u00e4den des Embryos hin untersucht werden konnte. Wurden gravierende Ver\u00e4nderungen im Erbgut festgestellt, bestand die Option der Abtreibung, die seit den 70ern, sofern keine medizinisch-soziale oder kriminologische Indikation gegeben ist, zwar als rechtswidrig angesehen, jedoch nicht bestraft wird.<\/span><span>Die PID bietet nun die M\u00f6glichkeit, Frauen die Strapazen einer solchen \u201eSchwangerschaft auf Probe\u201c zu ersparen.<\/span><span>\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span><\/span><\/span><span><span>Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass in der Bundesrepublik circa 500 F\u00e4lle pro Jahr f\u00fcr die PID auf monogenetische Erbkrankheiten in Frage k\u00e4men. <\/span><span><font size=\"2\">W\u00fcrde man sie hingegen routinem\u00e4\u00dfig zum genetischen Screening aller k\u00fcnstlichen Befruchtungen<span>\u00a0\u00a0 <\/span>einsetzen, k\u00f6nnte man von 40.000 oder mehr F\u00e4llen ausgehen.<\/font><\/span><span>Da das Embryonenschutzgesetz die PID nach der Entscheidung des BGH nicht verbietet, sofern pluripotente Trophoblastzellen auf \u201eschwere genetische Sch\u00e4den\u201c hin untersucht werden, stellt sich die Frage, wann eine genetische Sch\u00e4digung in diesem Sinne ausreichend \u201eschwer\u201c ist. Prof. Taupitz stellte klar, dass hier ein dringender Handlungsbedarf seitens des Gesetzgebers bestehe. Auch die \u00c4rzteschaft trage Verantwortung daran, m\u00f6glichst zeitnah einheitliche Richtlinien zu definieren.<span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/span><span>\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span><\/span><span><span>Beide Wissenschaftler waren sich einig, dass die PID kein Freibrief f\u00fcr das Schaffen von Designer-Babies sein sollte. Es m\u00fcssten enge Grenzen gesetzt werden. So habe der Bundesgerichtshof zu Recht festgestellt, dass beispielsweise die Geschlechtswahl, wie sie u.a. in den USA praktiziert wird, strafbar sei. Ausnahmsweise m\u00fcsse etwas anderes dann gelten, wenn es um geschlechtsgebundene Erbkrankheiten wie etwa die Duchennesche Muskeldystrophie gehe.<\/span><span>\u00a0<\/span><\/span><\/span><span> <\/span><span><span>Eine m\u00f6gliche Regelung k\u00f6nnte darin bestehen, Listen aufzustellen, die genau festlegen, nach welchen Krankheiten bei der PID gesucht werden d\u00fcrfe. <\/span><span><font size=\"2\">Allerdings sprach sich Prof. Bartram<span>\u00a0 <\/span>gegen diese L\u00f6sung aus; Man befinde sich auf sehr schwierigem medizinethischen Terrain, wenn man dar\u00fcber entscheiden m\u00fcsse, welche Krankheit auf einer solchen Liste erscheinen sollte. Seiner Meinung nach sollte dies eine individuelle Entscheidung nach ad\u00e4quater Beratung bleiben.<\/font><\/span><span>\u00a0<\/span><\/span><span><span><\/span><span><span>In der anschlie\u00dfenden Diskussion stellten sich die beiden Professoren den kritischen Fragen des Publikums.\u00a0<\/span><span>\u00a0<\/span><\/span><span> <\/span><\/p>\n<p><\/span><span><\/span><span>Auf die Frage, wie beispielsweise das Risiko einer Sch\u00e4digung durch die PID eingestuft werden m\u00fcsse, entgegnete Prof. Bartram, dass es um ein Vielfaches geringer sei als das Auftreten von erblichen Sch\u00e4den. Auch wies er darauf hin, dass es derzeit \u2013 so kurz nach dem Urteil \u2013 kaum ein Zentrum in Deutschland gebe, das eine PID durchf\u00fchren w\u00fcrde.<\/span><span>Prof. Taupitz erkl\u00e4rte dar\u00fcber hinaus, dass es rechtlich noch sehr viele Unklarheiten aus dem Weg zu r\u00e4umen gelte. Beispielweise sei nicht gekl\u00e4rt, wie etwa damit umgegangen werden sollte, wenn Frauen, die trotz PID gesch\u00e4digte Kinder zur Welt br\u00e4chten, Schadensersatz einklagten.<\/span><span>\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span><\/span><span><span>Es wurde an diesem Abend deutlich, dass durch das Urteil des Bundesgerichtshofes ein sehr weites Feld er\u00f6ffnet wurde, dessen Grenzen in Zukunft erst noch gesteckt werden m\u00fcssen.\u00a0<\/span><span>\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span><\/span><\/span><span><span>Ganz herzlich m\u00f6chten wir uns an dieser Stelle bei den beiden Diskutanten Prof. Bartram und Prof. Taupitz f\u00fcr ihr sachkundiges Engagement bedanken. Dass ihr Wissen gesellschaftlich sehr gefragt ist, zeigte sich nicht zuletzt an den zahlreichen Besuchern, die trotz des Semesterendes der Podiumsdiskussion beiwohnten.<\/span><span>\u00a0<\/span><span><span>Ein besonderes Geschick sei au\u00dferdem dem stellvertretenden LHG-Vorsitzenden Karsten Heil attestiert, dem es gelungen ist, die Anwesenden souver\u00e4n durch den Abend zu f\u00fchren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Selbstanzeige eines Berliner Fortpflanzungsmediziners hat der Bundesgerichtshof im Juli diesen Jahres ein unerwartetes Urteil gesprochen, wonach es sich bei der Pr\u00e4implantationsdiagnostik (PID) nicht um einen Versto\u00df gegen das Emryonenschutzgesetz handle, soweit keine \u201etotipotenten\u201c Zellen untersucht werden, also Zellen, die je f\u00fcr sich die F\u00e4higkeit haben, sich zu einem ganzen Menschen zu entwickeln, und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":282,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,12],"tags":[],"class_list":["post-521","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-meldungen","category-positionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/521","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/282"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=521"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/521\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2927,"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/521\/revisions\/2927"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=521"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=521"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lhg-bw.de\/heidelberg\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=521"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}