Erklärung der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) der Universität Konstanz zu der Erhöhung des Seezeit-Verwaltungsbeitrags

Die Hochschulpolitik schlägt in diesen Tagen auch in Konstanz hohe Wellen.Die Auswirkungen dessen werden viele Studierende mit Beginn des kommenden Semesters an ihrem Geldbeutel spüren. Die LHG kritisiert die plötzliche Anhebung gleich mehrerer Beiträge scharf.
Vielen Studenten, welche sich bereits für das kommende Semester zurückgemeldet haben, wird es bereits aufgefallen sein: Studis im Raum Konstanz/Bodensee erwartet zum Sommersemester ein Dreiklang an Beitragserhöhungen: so soll zu dem zu erwartenden (Zwangs-)Beitrag zur neuen, verfassten Studierendenvertretung und der von der grün-roten Landesregierung beschlossenen Erhöhung der Verwaltungskostenpauschale um 50% (von 40 Euro auf 60 Euro) nun auch noch eine
Erhöhung des Studentenwerksbeitrages hinzukommen. Der Vorsitzende der LHG Konstanz, Philipp Sauer, fasst diesen Sturm auf die mageren Geldbeutel der Studierenden zusammen:

„Die unerwarteten Mehrkosten für das Studium am See wird für viele Studierende das Kuckucksei zum Jahresbeginn. Die Erhöhung der Beiträge bedeutet zusammengerechnet rund fünfzig Euro an Mehrbelastung pro Semester für die fast 25.000 Studenten im Bodenseeraum [Quelle: seezeit.com]. Hinzu kommt eine neue Regelung, welche beurlaubten Studis beispielsweise im Erasmus- oder Praxissemester die Möglichkeit nimmt, sich von den Beitragskosten befreien zu lassen [Quelle:
„Outgoing-Leitfaden 2012/13“ des Auslandsreferats / International Office].
Da die Studenten jedoch mehrheitlich auf die Unterstützung durch ihren Elternhaushalt angewiesen sind, ist diese Vielzahl an Beitragserhöhungen vor allem ein Schlag gegen die Studenten aus ärmeren Gesellschaftsschichten. Als LHG beurteilen wir die Beitragserhöhungen daher als eine schleichenden Wiedereinführung von
Studiengebühren – mit allen entsprechenden negativen Auswirkungen. Liberale streiten
hingegen für das Humboldtsche Ideal der freien Bildung und des freien Zugangs zu Bildung.“

Eine Mitbeteiligung der Studenten an den für sie bereit gestellten Dienstleistungen will PhilippSauer zwar pauschal nicht ausschließen, eine Zwangsabgabe zu Beginn des Semesters belaste viele Studenten jedoch über Gebühr.
Der Erhöhung des Seezeit-Beitrags kommt bei dieser Kostenwelle ein besonderes Augenmerk zu: dieser soll zum kommenden Semester um 15 Euro von 43 Euro auf nunmehr 58 Euro ansteigen,was eine Erhöhung um 35% ausmacht (siehe dazu auch die Pressemitteilung des Studentenwerks vom 17.01.2013).

Die studentischen Vertreter des AStA-Sozialreferats sowie die Vertreter der
Studierendenschaft im Seezeit-Verwaltungsrat hatten am 23.Januar zu einer Vollversammlung (VV) aufgerufen, welche die Beitragserhöhung thematisieren sollte. Zu dieser VV erklärt der Vorsitzende der LHG Konstanz, Philipp Sauer:

„Das Ergebnis der VV war absehbar. Die Linke hat erfolglos zu ihrer üblichen, wirkungslosen Symbolik aufgerufen, mit ihrer Kritik überraschenderweise aber den Kern des Problems getroffen. Die finanziellen Zuschüsse des Landes zu den Hochschulen dümpeln seit Jahren vor sich hin und haben den Seezeit-Vertretern wie auch den bei der VV anwesenden Studis kaum Handlungsspielraum gelassen. Die vorgestellten Alternativen zur Beitragserhöhung waren nur unterschiedliche Nägel zum selben Sarg.”

Im Einklang mit Alexander Schopf von der LHG Baden- Württemberg betont Philipp Sauer:

„Gute Fachkräfte und Akademiker, die unser Land braucht,
kosten auch etwas. Sozialdemokraten und Grüne im Landtag müssen das endlich einsehen.“

Kritisch sieht der Vorsitzende der LHG Konstanz allerdings auch das Management des
Studentenwerks der vergangenen Jahre: Investitionsprojekte ohne stabile Finanzierungsgrundlage haben zu dem Engpass geführt, in welchem sich Seezeit derzeit befindet. So steht das Studentenwerk wegen dem Neubau und der Sanierung diverser Wohnheime mit umgerechnet fast 2.000 Euro pro Student in der Kreide [Quelle: Stupa-Protokoll vom 06.12.2012]. Diese Zahlen sind im baden-württembergischen Vergleich überdurchschnittlich. Dass die Studierendenschaft von dieser Haushaltspolitik weitestgehend ausgeschlossen blieb, nun aber die Zeche dieses Fehlmanagements zahlen muss, sei nach der Ansicht von Philipp Sauer ein Zeichen „intransparenter
Informationspolitik“.

Dass Vertreter von Seezeit auf der vergangenen Vollversammlung anwesend
waren, ist für Philipp Sauer eigentlich ein „Akt der Selbstverständlichkeit“; im Hinblick auf die Entwicklungen der Vergangenheit begrüßte er das Engagement der Seezeit-Vertreter jedoch als „eine Geste, die hoffen lässt“. Dem Geschäftsführer von Seezeit, Helmut Baumgartl, komme es zu, die Scherben der letzten Jahre zusammen zu kehren und das Vertrauen der Studierenden in ihr Studentenwerk neu aufzubauen.
Konstanz, den 02.02.2013

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