{"id":9,"date":"2007-05-13T21:56:23","date_gmt":"2007-05-13T20:56:23","guid":{"rendered":"http:\/\/lhg-bw.de\/konstanz\/was-ist-liberal\/"},"modified":"2021-04-11T16:47:17","modified_gmt":"2021-04-11T15:47:17","slug":"was-ist-liberal","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/lhg-bw.de\/konstanz\/was-ist-liberal\/","title":{"rendered":"Liberalismus"},"content":{"rendered":"<div id=\"dslc-theme-content\"><div id=\"dslc-theme-content-inner\"><table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Was ist eigentlich liberal?\u00a0<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wer Politik macht, muss Rechenschaft von seinem Menschenbild ablegen k\u00f6nnen. Das liberale Menschenbild geht von zwei Grundkonstanten aus: Eigenverantwortung und Individualit\u00e4t.<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Verschiedene Verst\u00e4ndnisse von &#8220;Freiheit&#8221;<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Untrennbar mit Eigenverantwortung verkn\u00fcpft ist Freiheit. Denn nur wenn es Entscheidungsm\u00f6glichkeiten gibt, f\u00fcr die der einzelne die Verantwortung tr\u00e4gt, ist er auch frei. Freiheit bedeutet die weitestgehende Selbstbestimmung des Individuums in allen Lebensbereichen. Die meisten Str\u00f6mungen des Liberalismus fordern, dass diese Freiheit auch tats\u00e4chlich gelebt werden kann und nicht nur theoretisch existiert. Das erzwingt gewisse Rahmenbedingungen, wie z.B. die Verwirklichung von Menschen- und B\u00fcrgerrechten, aber auch die soziale Chance zur Wahrnehmung dieser Rechte. Der soziale Liberalismus setzt bei letzterem seinen Schwerpunkt und fordert den Staat in besonderer Weise als Garanten dieses Rahmens.<\/p>\n<p>So genannte libert\u00e4re Str\u00f6mungen (unkorrekt auch als \u201eNeoliberalismus\u201c bezeichnet) versuchen dagegen, das Prinzip der Freiheit (auch und gerade von staatlichen Regulierungen, welche Ungleichheiten abbauen sollen) in Reinstform durchzusetzen. Aus Sicht der LHG Konstanz enden libert\u00e4re Positionen konsequent in Anarchie (griechisch \u03b1\u03c1\u03c7\u03b7 &#8211; Herrschaft, Reich, Amt \u2013 An-archie bedeutet also in etwa: Abwesenheit von Herrschaft). Denn sie sind nur realisierbar, wenn alle Individuen sich als Gleiche mit gleichen Chancen und M\u00f6glichkeiten begegnen und insbesondere ihre Konflikte selbst l\u00f6sen k\u00f6nnen. Wir halten das f\u00fcr eine Utopie, und es passt auch nicht mit der anderen Grundkonstante des Liberalismus zusammen, der Individualit\u00e4t: Menschen sind verschieden, sie sind auch unterschiedlich stark, und sie werden es immer sein. Wir lehnen deshalb libert\u00e4re Positionen ab. Gleiches gilt \u00fcbrigens f\u00fcr einen sozialistischen Ausgangspunkt: Denn auch der Sozialismus setzt etwas voraus, was es \u2013 jedenfalls in gro\u00dfen Zusammenh\u00e4ngen &#8211; nicht gibt: Dass alle Menschen sich ausschlie\u00dflich um die Gemeinschaft bem\u00fchen, und niemand nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Soziale und \u00d6kologische Verantwortung<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Freiheit des Einzelnen findet ihre Grenze an der Freiheit der anderen. Deshalb geh\u00f6rt zum Liberalismus stets die Verantwortung gegen\u00fcber den Mitmenschen. Die feine Grenze zum Sozialismus liegt darin, dass (wirtschaftliche) Gleichheit nicht als Ziel von allem, sondern Chancengleichheit als Ausgangspunkt von allem verstanden wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Freiheit des Einzelnen hat aber noch eine weitere Grenze: Die Freiheit zuk\u00fcnftiger Generationen. Deshalb ist eine \u00f6kologisch verantwortliche Wirtschaft eigentlich eine urliberale Forderung. Leider tritt das im politischen Tagesgeschehen zu oft in den Hintergrund. Umgekehrt greift aus unserer Sicht eine Politik, die alles an \u00f6kologischen Ma\u00dfst\u00e4ben messen will, aber zu kurz.<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Pluralismus als liberale Forderung<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Liberalismus ist nicht nur ein politisches Konzept, sondern auch ein Lebensgef\u00fchl und eine Orientierung f\u00fcr Denken und Handeln. Liberalismus kann nur gedeihen in einer offenen Gesellschaft, die von produktivem Streit lebt. Wir wollen Konflikte nicht leugnen, sondern fair austragen. Eine pluralistische Gesellschaft, Toleranz, Miteinander und Achtung der Menschenw\u00fcrde geh\u00f6ren zum Kernbestand eines liberalen Gesellschaftsverst\u00e4ndnisses. Insofern ist das deutsche Grundgesetz ein sehr liberales Dokument.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen, und das ist sicher ein gutes Abgrenzungskriterium z.B. zu einer christdemokratischen Grundhaltung, aus der ja auch Gedanken wie Toleranz oder Menschenw\u00fcrde hergeleitet werden k\u00f6nnen: Der Liberalismus ist an sich wertneutral. Jeder Mensch soll nach seinen Vorstellungen und Zielen sein Leben frei gestalten k\u00f6nnen. Verbote oder auch nur die staatliche Diskriminierung von Parteien, Publikationen, Veranstaltungen, Kopft\u00fcchern, \u201eHomo-Ehen\u201c usw. sind einige Beispiele f\u00fcr politische Vorhaben, die mit einem richtig verstandenen Liberalismus eigentlich nicht zu machen sind. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Liberale treten daf\u00fcr ein, dass soziale Bindungen selbst bestimmt eingegangen werden k\u00f6nnen und nicht von Traditionen, \u00f6konomischem oder sozialem Druck motiviert werden. Werte sind nicht planbar, eine uniforme Gesellschaft wollen wir nicht. Abweichende Meinungen und die Vorstellungen von Minderheiten haben sich oft als Wurzel von gesellschaftlichem Fortschritt erwiesen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Liberalismus und der Staat<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Vom Prinzip her beginnt und endet die Aufgabe des Staates aus liberaler Sicht mit der Schaffung eines Rechtssystems, welches Freiheit erm\u00f6glicht und sch\u00fctzt. Leider kann aber ein komplexes Gebilde wie die Bundesrepublik nicht ohne einen minimalen Wertekonsens auskommen. Dazu geh\u00f6rt die \u00c4chtung von Gewalt. Ein Staat kann nicht warten, bis Gewalt ge\u00fcbt wird, er muss sie im Vorfeld verhindern, und das geht manchmal nicht anders als durch Verbote. Hier entstehen Spannungen zwischen liberalen Grundhaltungen und schlichten Sachzw\u00e4ngen, die wirklich liberal gesinnten Menschen Kopfzerbrechen bereiten. Unterschiedliche Str\u00f6mungen des Liberalismus beantworten diese Fragen unterschiedlich, die meisten sind sich aber einig, dass der Staat in einigen Punkten seine Neutralit\u00e4t aufgeben und eine tolerante und gleichberechtigte Gesellschaft aktiv f\u00f6rdern soll. Sein Ziel muss insbesondere die Solidarit\u00e4t mit Schw\u00e4cheren sein.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Die Haltung des Liberalismus zu Unternehmen,Parteien und Interessenverb\u00e4den<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wenn Liberalismus mit Wirtschaftsfreundlichkeit gleichgesetzt wird, wird dabei oft eines vergessen: Zwar profitiert der Mensch von der Einbindung in gr\u00f6\u00dfere Organisationen (sozial wie auch durch den Wohlstand, den Unternehmen schaffen), ist durch sie aber auch mit dem Verlust seiner Individualit\u00e4t bedroht. Das gilt nicht nur f\u00fcr Unternehmen, sondern f\u00fcr alle gr\u00f6\u00dferen Zusammenschl\u00fcsse von Menschen. Die Rolle der Gro\u00dforganisationen in Staat und Gesellschaft ist daher stets kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen. Trotzdem ist es legitim, wenn sich z.B. in Parteien, Wirtschaftsverb\u00e4nden oder Gewerkschaften Interessen \u2013 auch \u00f6konomische &#8211; b\u00fcndeln, solange diese Vereinigungen ihre gesellschaftliche Verantwortung annehmen. Denn nur so werden Meinungen h\u00f6rbar, und nur dann kann Diskurs stattfinden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Politisch gesehen ist der Liberalismus Bestandteil des Programms der meisten Parteien. Die Mitglieder der LHG sind deshalb nicht gezwungen, sich auf eine politische Linie festzulegen. In der Tat sind sie oft zus\u00e4tzlich Mitglieder von unterschiedlichen Parteien. Wir vertrauen darauf, dass diese Freiheit zu einer gr\u00f6\u00dferen Vielfalt von gut vertretenen Standpunkten f\u00fchrt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nach alledem ist der Liberalismus eine Geisteshaltung, die gut mit dem Slogan zusammenpasst, den Willy Brandt sich einst ausdachte, und den wir f\u00fcr diesen Wahlkampf aufgegriffen haben:<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"10\"><\/td>\n<td style=\"text-align: center\"><strong>Mehr Demokratie wagen!<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" width=\"97%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center\" width=\"30\"><\/td>\n<td style=\"text-align: center\"><strong> <a href=\"http:\/\/lhg-bw.de\/konstanz\/files\/2007\/05\/LHG-Artikel_Was_ist_liberal_neu.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dieser Artikel als PDF-Datei<\/a><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist eigentlich liberal?\u00a0 Wer Politik macht, muss Rechenschaft von seinem Menschenbild ablegen k\u00f6nnen. 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