„Kostenlos“ verscherbelt Freiheit!

LHG Direkt – Newsletter der Liberalen Hochschulgruppe Konstanz
Nr. 1, Wintersemester 14/15

von Maximilian Schrumpf:
Was haben Bochum, Dortmund und Göttingen, was Konstanz nicht braucht? Richtig! Ein „Kultursemesterticket“. Obwohl wir Studierende bereits für nur 7 € eine Theatervorstellung besuchen können, forcieren Stadttheater und Philharmonie die Idee einer Flatrate. Zwar erhält Ersteres bereits öffentliche Zuschüsse in Höhe von knapp 7 Mio. € pro Jahr, doch erst in der letzten Spielzeit ist das Zuschauerniveau unter die prestigeträchtige Marke von 100.000 gerutscht – denkbar ungünstig, um eine Erhöhung zu fordern. Auf einmal sollen jetzt also Studierende über Zwangsabgaben motiviert werden, die Besucherzahlen wieder nach oben zu korrigieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
Im Gegensatz zum Studi-Ticket der Stadtwerke Konstanz bedient die Idee lediglich Freizeitaktivitäten. Mit Hilfe einer Solidarfinanzierung würden Theater- und Philharmonieliebhaber privilegiert, da sie beides auf Kosten der Allgemeinheit umsonst besuchen dürften. Von einem Angebot auf freiwilliger Basis ist bisher leider nicht die Rede. Daher entbehrt das Vorhaben jeder Grundlage, schließlich haben wir es im 21. Jahrhundert mit einem sich stetig wandelnden Kulturbegriff zu tun: Kultur gibt es nicht nur in traditionellen Einrichtungen, sondern z.B. auch in Filmen und seit Aufnahme ihrer Branche in den Kulturrat 2008 sogar offiziell in Videospielen. Wir Studis können selbst entscheiden, welche Art von Kultur wir unterstützen möchten und benötigen kein verpflichtendes, intransparentes „Kultursemesterticket“.

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