Hohenheimer protestieren gegen Platzmangel

Zur Überraschung vieler Studenten haben Unbekannte an der Uni Hohenheim mit einem Bauzaun und Transparenten erneut auf die Hörsaalengpässe aufmerksam gemacht und gegen Studiengebühren protestiert.

Aus der Stuttgarter Zeitung von Inge Jacobs

An der Uni Hohenheim hat am Dienstagmorgen ein Bauzaun den Weg zur Mensa und zu den Biohörsälen versperrt. „Wegen Platzmangel geschlossen“, stand auf einem Transparent. „Studenten zahlen extra – Eintritt: 500 Euro“, war auf weiteren Transparenten zu lesen. Viele Studierende waren von der Aktion überrascht. Doch inhaltlich stehen sie dahinter. „Man zahlt 500 Euro Studiengebühren, doch merken tut man nichts“, meinte eine Studentin der Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Sozialökonomie.

Die Studentin im sechsten Semester findet, es sei „kein Zustand“, dass große Vorlesungen noch per Fernsehübertragung angeboten werden. Auch sie als Diplomstudentin sei betroffen, „weil wir dieselbe Vorlesung mit den Bachelorstudenten zusammen haben“ – und 700 Leute passten in den größten Hörsaal nicht hinein. Außerdem müsse man die Hörsäle besser ausstatten, etwa mit Mikros. Ungerecht findet sie, dass die Wirtschaftswissenschaften gegenüber den laborintensiven Natur- und Agrarwissenschaften am wenigsten von den Studiengebühren profitierten.

Mit dem Asta sei die Protestaktion nicht abgesprochen, erklärt dessen Vorsitzender Stefan Haffke. „Wir finden die Aktion aber gut.“ Der Asta könne die Verärgerung insbesondere der Wirtschaftswissenschaftler über die Hörsaalengpässe gut nachvollziehen. Zudem sei man befremdet über die Ankündigung des gerade im Amt bestätigten Rektors Hans-Peter Liebig, dass er die Zahl der Studierenden von derzeit 6300 auf 7500 erhöhen wolle. „Dabei reichen die Kapazitäten jetzt schon nicht aus“, so Haffke. Der Asta befürchte, dass ein solcher Ausbau „sicher zu Lasten der Qualität geht, solange die Infrastruktur nicht stimmt“.

Die Uni lässt die Studierenden mit ihrer Protestaktion indes gewähren. Der Rektor toleriere diese Form der Meinungsäußerung, erklärte der Unisprecher Florian Klebs. Die Uni müsse jedoch auf den weiteren Ausbau setzen. Von Herbst an solle die Hörsaalsituation besser werden. Das Besetzungsverfahren für einen Hörsaalmanager laufe.

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