Hintergrundinfos zur LHG-Aktion „Schreien hilft nichts, Eigeninitiative ist gefragt“ vom 28. Januar 2004

In der gegenwärtigen Zeit des allgemeinen Sparzwangs drängt sich jede erdenkliche Gruppierung in den Fokus der Öffentlichkeit mit dem Wunsch nach mehr Geld bzw. weniger Kürzungen. Und Gründe haben sie alle. „Wir sind Deutschlands Zukunft!“ Kann man sich jemanden vorstellen, der diesen Satz noch nicht gesagt hat?

Auch der rot-grüne AStA-Vorstand hat sich diesen Satz angeeignet und in einer uniweiten Aktion am so genannten „Landesweiten Aktionstag gegen Bildungs- und Sozialabbau“ mit teilweise witzig amüsanten – wohl aber todernst gemeinten – Sprüchen versucht gegen eine Kürzung der Gelder im Bildungsbereich zu mobilisieren.

Mit der Anspielung auf eine landesweite Imagekampagne „Baden-Württemberg. Wir können alles. Außer Hochschulpolitik.“ haben sich die Planer der Aktion sicher so manchen Lacher unter den Studierenden gesichert. Doch eines fehlte gänzlich: Ideen.

In Zeiten knapper Kassen muss gespart werden. Jedoch sind Eigeninitiative und Ideenreichtum der Betroffenen gefragt um mit den neuen Bedingungen sinnvoll umzugehen. Und wenn es eines ist, was uns die Berechtigung gibt zu behaupten, wir sind Deutschlands Zukunft, dann die Ideen und Vorschläge, die Deutschlands Zukunft gestalten.

Aktiv gestalten muss das Stichwort für alle sein. Ein nein ist keine Antwort. Die Liberale Hochschulgruppe teilt die Meinung, dass der Bildungsbereich eine besondere Stellung verdient. Doch im Gegensatz zum AStA-Vorstand haben wir konkrete Ideen, an welchen Punkten man ansetzen kann um sinnvoll zu wirtschaften und vorhandene Ressourcen optimal einzusetzen.
Effizienz muss dabei unserer Meinung nach das Stichwort sein. In vielen Bereichen verkümmert Potential, werden Fähigkeiten falsch eingesetzt, wird Geld verschwendet. Wir haben daher einige Kernthesen aufgestellt, die aufzeigen sollen, wo Möglichkeiten zur Verbesserung bestehen.

Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Hochschulen
Verschiedene Hochschulen haben verschiedene Interessen und Schwerpunkte. Während die einen dringend in technischer Hinsicht ihre Ausstattung verbessern müssen, mag es auf der anderen Seite die angespannte Personalsituation sein, die effiziente Forschung und Lehre verhindert. Deshalb ist es unerlässlich das jede Hochschule eigene Konzepte für Investitionen und Budgetverwendung entwickelt und umsetzt.

Berücksichtigung individueller Stärken einzelner Hochschulen
Keine Hochschule kann in jedem Fachbereich eine Spitzenposition einnehmen, auch im Ausland gibt es nicht die EliteUniversität für alle Studiengänge, sondern für jeweils bestimmte Schwerpunkt-Gebiete. Wenn sich Hochschulen auf ihre eigenen Stärken besinnen und entsprechend ausrichten, ergeben sich Effizienzsteigerungen und Spitzenleistungen.

Stärkeren Wettbewerb der Hochschulen untereinander
In einem Wettbewerb der Hochschulen sollten zunehmend selbst erarbeitete Konzepte für Innovationen in Forschung und Lehre einen Einfluss auf die Mittelvergabe durch das Land haben. Eigene Projekte zur Forschung und Lehre, die einem Wettbewerb aller Hochschulen standhalten müssen, sollen die Qualität steigern und die Eigenverantwortung erhöhen.

Freie Wahl der Hochschule für alle
Verbunden mit der Berücksichtigung individueller Stärken und einem stärkeren Wettbewerb muss es als logische Konsequenz jedem Studierenden möglich sein, sich direkt an einer Hochschule seiner Wahl zu bewerben. Interne Auswahlverfahren direkt an jeder einzelnen Hochschule, statt zentralistischer Planwirtschaft durch die ZVS, ermöglichen einen Wettbewerb um die besten Köpfe, in dem aber auch die zukünftigen Studierenden die Möglichkeit bekommen zu entscheiden was ihre Präferenzen sind, wo sie Qualität sehen.

Vollständige Weitergabe der Verwaltungsgebühren in den Universitätshaushalt
Die kürzlich eingeführte Verwaltungsgebühr darf nicht in den Landeshaushalt fließen, mit diesem Vorgehen fühlen sich alle Studierenden – zu Recht – betrogen. Eine solche Gebühr muss direkt dem Universitätshaushalt zu Gute kommen, um eine direkte Verbesserung der Situation zu erreichen. Zahlreiche Projekte andernorts haben gezeigt, dass schon eine solche Summe von vierzig Euro ausreicht um spürbare Verbesserungen für alle Studierenden zu erreichen.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass es auch in der gegenwärtigen Situation knapper Mittel möglich ist, eine qualitativ hochwertige Bildung zu erreichen. Nötig ist dafür jedoch, dass sich jeder einzelne für konkrete Ideen und Vorschläge einsetzt und erkennt, dass ein „Nein!“ keine Meinung ist.

Die Liberale Hochschulgruppe wird sich auch in Zukunft sachlich und vernünftig für die Belange der Studierenden einsetzen und versuchen unser aller Studium weiter zu verbessern.

In Anlehnung an das AStA-Motto haben wir unsere Aktion daher geschlossen mit „Liberale Hochschulgruppe. Wir können nicht alles. Aber Hochschulpolitik.“.

Liberale Hochschulgruppe Mannheim

Christoph Krammer