Schöne neue Hochschulwelt

Die Diskussion um die Beteiligung der Studierenden an der Finanzierung des deutschen Hochschulsystems ist wohl so alt wie die knappen Haushalte. Seit Jahren streiten Experten, und solche die es glauben zu sein, darum ob und in welcher Form sich Studenten an ihrer Ausbildung finanziell beteiligen sollen. In Zeiten knapper Kassen müssen alle mit anpacken, so ein Hauptargument derer, die mit immer weniger Einnahmen arbeiten müssen.

Doch eins vorweg: Wenn ich ab morgen 500 Euro für jedes Semester meines Studium bezahlen müsste, dann würde mich das stören. Geld ist knapp, gerade in diesen Tagen. Mein Geld an den hochkomplexen Verwaltungsapparat des Staates zu geben löst in mir ein gewisses Unbehagen aus. Ich möchte wissen, was es mir bringt, diese Gebühr zu zahlen. Denn anders als für eine Steuer erwartet man für eine Gebühr eine direkte Gegenleistung. Damit also die Erhebung von Studiengebühren akzeptabel ist, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, die sich grob in zwei Bereiche teilen lassen: Studiengebühren müssen sozialverträglich sein und den Hochschulen direkt und unmittelbar zu Gute kommen.

Jede Form von Beteiligung der Studierenden darf nicht so gestaltet sein, das sozial schlechter Gestellte abgeschreckt werden. Gerade in der Chancengleichheit aller gesellschaftlichen Gruppen liegt ein großes Potential für die Zukunft. Die Gefahr dieses Potential zu verlieren ist groß, daher müssen auf allen Ebenen der Beteiligung Anreize für sämtliche Gesellschaftsschichten geschaffen werden.

Die Durchsetzbarkeit und Akzeptanz eines Systems zur Studienfinanzierung wird von diesem Faktor ganz entscheidend abhängen. Weder unter den Studierenden noch unter der Bevölkerung wird sich eine Zustimmung zu einem Modell finden, in dem zu befürchten ist, dass sozial Schwache von der Hochschulbildung ausgeschlossen werden.

Für die Akzeptanz nicht minder wichtig ist aber den legalen Aspekt von Studiengebühren zu betonen. Eine repräsentative Forsa-Umfrage ergab eine Zustimmung zu Studiengebühren in der Bevölkerung von 54%, wenn diese der Hochschule direkt zu Gute kommen. Wenn diese im Staatshaushalt versickern sinkt die Zustimmung deutlich auf unter 30%.

Im Zusammenhang mit dem Themenkomplex der direkten Förderung stehen einige weitere Aspekte, die im Folgenden nur kurz erwähnt seien. Das System muss Anreize zum wirtschaftlichen Handeln der Verwaltung und der Hochschulen bieten, insbesondere muss es finanziell ergiebig sein. Wenn große Teile der Einnahmen in einer bürokratischen Verwaltung verschwinden, kann es keine Zustimmung geben. Es muss durchsetzbar sein, also Akzeptanz von allen Seiten finden. Ein ganz wichtiger Schritt dazu ist die Transparenz des Geldflusses. Jeder muss wissen, wofür und wieso sein Geld eingesetzt wird.

Um nun die genannten Bedingungen nicht nur einfach stehen zu lassen, soll ein Modell vorgestellt werden, das in etwa dieser Form seit vielen Jahren in der Schublade liegt. Bereits 1998 hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) ein Modell entwickelt in dem versucht wurde Vorteile der Beteiligung der Studierenden an der Finanzierung zu verstärken und die Nachteile abzumildern. Dieses Modell war die Basis für zahlreiche weitere Vorschläge aus Politik und Wissenschaft.

Darin ist eine Erhebung von Studiengebühren pro Semester vorgesehen. Die genaue Höhe der Gebühren kann von Land oder einzelner Hochschule selbst festgelegt werden, jedoch hat der Staat dafür Sorge zu tragen das keine unverhältnismäßigen Gebühren erhoben werden. Die Erhebung pro Semester ist die einzig faire Berechnungsweise, zum einen werden Stu- dienfachwechsler dadurch nicht übermäßig belastet und zum zweiten werden Leistungsanreize für Studierende geschaffen.

Die Studiengebühren werden sofort fällig, d.h. in dem Semester in dem ein Student auch effektiv studiert, fließt der Hochschule auch Geld zu. Für alle die Gebühren nicht sofort zahlen können – oder wollen – wird über eine Landesinstitution Geld von einer Privatbank verliehen. Dies hat gleich mehrere positive Aspekte: Die Hochschulen haben in jedem Semester Geld proportional zur Anzahl ihrer Studenten zur Verfügung. Die Studenten werden zu Kunden ihrer Universität, sie entscheiden wo sie ihr Geld ausgeben. Gleichzeitig wird keine staatliche Institution mit neuen Schulden belastet. Die Privatwirtschaft bringt „frisches Geld“ in den Finanzierungskreislauf. Die zwischengeschaltete Landesinstitution übernimmt dabei die Ausfallsicherung des Kredites, was zu niedrigeren Zinsen führt.

Diejenigen, die sich für die Kreditaufnahme entscheiden, zahlen den Kreditbetrag dann zurück, wenn sie nach Abschluss des Studiums ein gewisses Einkommen erreichen, das z.B. als Prozentsatz des Durchschnittseinkommens definiert werden kann. Hierbei wird pro Jahr ein gewisser Prozentsatz des Einkommens zur Rückzahlung fällig. Wichtig ist dabei herauszustellen das der Gesamtbetrag der zurück zu zahlen ist nicht von den jährlichen Raten abhängt. Wer also nach seinem Studium weniger verdient wird nicht durch zusätzliche Zinsen belastet, er zahlt real den gleichen Betrag wie ein Spitzenverdiener.

Um BAföG-Empfänger in der Zeit des Berufseinstiegs und der Familienplanung nicht überdurchschnittlich zu belasten, soll für diese Gruppe eine niedrigere Rückzahlungsrate oder eine Stundung festgelegt werden. Alle Schulden die nach einer gewissen Frist nicht bezahlt werden konnten, verfallen.

Das Geld das den Hochschulen in diesem Modell zugeht, ist zweckgebunden und kann nur für die Lehre eingesetzt werden. Gleichzeitig soll über neue Formen der staatlichen Hochschulmittelvergabe nachgedacht werden. Beispielsweise kann über langfristig festgeschriebene Formeln den Hochschulen eine klare Planungsgrundlage gegeben werden und gleichzeitig wird verhindert, dass ein Finanzminister Bildung nach Haushaltslage macht.

Zusammenfassend lässt sich das vorliegende Modell durchaus als Ausgangspunkt betrachten, denn viele Aspekte sollen soziale Selektion verhindern und die Chancengleichheit fördern. Beispiele aus anderen Ländern die ähnliche Systeme eingeführt haben zeigen, dass es sozialverträgliche Möglichkeiten der Studienfinanzierung gibt. Sicher gibt es viele Aspekte die im Detail ausgearbeitet werden müssen, die viel Arbeit und viel Einsatz von allen Beteiligten erfordern. Auch ist natürlich die staatliche Finanzierung auf jeden Fall zu sichern. Studiengebühren sind auf keinen Fall per se sozial oder unsozial, das ist stets Sache der Ausgestaltung.

Zentrales Anliegen der Studierenden muss daher sein, an der Entwicklung von Modellen konstruktiv und ohne verhärtete Ideologien teilzunehmen. Nur wenn wir selbst auf Probleme und Missstände hinweisen, können diese in die Gestaltung einfließen. Wir selbst wissen am besten, wo es in der Lehre an Hochschulen – und an unserer Universität ganz speziell – hapert. Aber nur wenn wir frei von Vorurteilen am Prozess der Umsetzung mitwirken, können wir diesen großen Wissensvorsprung ausspielen und die Welt von morgen aktiv mitgestalten. Unseren Anspruch auf einen weltweiten Spitzenplatz in Bildung und Forschung können wir nur mit vereinten Kräften erreichen.

Christoph Krammer studiert an der Universität Mannheim Wirtschaftsinformatik im fünften Semester. Er ist Mitglied des Fakultätsrates der Fakultät Mathematik und Informatik und seit einem Jahr bei der Liberalen Hochschulgruppe. Dort hat er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden für Programmatik.

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