Masterplan der Universität Stuttgart = Zukunftsoffensive, der Tragödie zweiter Teil?

Stellungnahme der Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg zum Masterplan der Universität Stuttgart

(Stuttgart) An der Universität Stuttgart laufen Vorbereitungen, einen sogenannten Masterplan umzusetzen. Wie nun bekannt wurde, stehen 24 Professuren, davon 16 an der Philosophisch-Historischen Fakultät 9 und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaflichen Fakultät 10 demnach zur Disposition. Der Rektor der Universität Stuttgart Prof. Dr. Wolfram Ressel will damit die Uni fit machen für eine neue Exzellenzinitiative. Es gehe ihm mit dieser Maßnahme um Profilschärfung und um eine Neuausrichtung der Hochschule.

    Hierzu Alexander Schopf, Landesvorsitzender der Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg und Vorsitzender der LHG Stuttgart: „Wie bei der Zukunftsoffensive der Uni Stuttgart von 2003 auch, agierte die Hochschulleitung komplett im Verborgenen. Nun sind Informationen durchgesickert und Rektor Ressel musste sein Vorhaben erklären, tut dies aber nur in allergröbsten Zügen: ,Die Zahlen schwanken täglich’ oder ,Bestimmte Professuren und Institute werden, wenn sie frei werden, umgebildet’. Nichts Genaues weiß man nicht. Aber warum nur hat die Unileitung immer wieder Angst vor dem öffentlichen Diskurs?“
    „Völlig unverständlich, dass ein solcher Kahlschlag in den Geisteswissenschaften auf Kosten der Studiengangvielfalt geplant wird, nachdem vor 2 Jahren Studiengebühren zur Verbesserung der Lehre eingeführt wurden.“ findet die stellvertretende Vorsitzende der LHG Stuttgart, Muiriel Thierhoff.
    Wenn wirklich Lehramtsstudiengänge wegfallen sollten, wo werden die im Land gebrauchten Lehrer dann ausgebildet? Unzählige unbeantwortete Fragen.
    Die Liberalen Hochschulgruppen hoffen, dass der Rektor auf diese Fragen eine Antwort weiß und die Öffentlichkeit darüber informiert und nicht versucht, wie der damalige Rektor Prof. Dr. Dieter Fritsch, im Alleingang mit dem Unirat zusammen etwas durchzudrücken. Die LHG fordert Transparenz und hofft, dass Ressel die Fehler seines Amtsvorgängers nicht wiederholt und das nun der Tragödie zweiter Teil wird. Prof. Fritschs Zukunftsoffensive sei bekanntlich ja so erfolgreich gewesen, dass er sich gar nicht mehr zur Wiederwahl als Rektor stellte. Möge Herr Prof. Ressel dies als Mahnung sehen.
    Was sich die Liberalen Hochschulgruppen vielmehr wünschen, ist ein Masterplan für die überbordende Verwaltung an der Uni Stuttgart. Diese gehört dringlichst reformiert! Nicht auf Kosten von Forschung und Lehre dürfen Reformen gehen. Geld spart man ein, wenn man Bürokratie abbaut. So macht man eine Hochschule zukunftsfähig.

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3 Gedanken zu „Masterplan der Universität Stuttgart = Zukunftsoffensive, der Tragödie zweiter Teil?

  1. Studentenverbände gegen „Kahlschlag bei Geisteswissenschaften“

    Stuttgart. In Stellungnahmen zeigen der RCDS und die LHG Verständnis für die gestrigen Studentenproteste, die sich gegen die Pläne des Rektors der Universität Stuttgart, Prof. Dr. Wolfram Ressel, richten, nach denen zahlreiche Lehrstühle an der Universität gestrichen werden sollen, um einseitig Ingenieur- und naturwissenschaftliche Studienfächer zu fördern. Zugleich sprechen sich die Verbände gegen den Masterplan in der gestern vorgestellten Form aus.

    Quelle: http://stuttgart.business-on.de/studentenverbaende-gegen-kahlschlag-bei-geisteswissenschaften_id1074.html

  2. Alles schonmal dagewesen an der Uni Stuttgart und zwar beginnend mit dem Jahr 2003:

    LHG Stuttgart spricht sich klar gegen die Zukunftsoffensive der Universität Stuttgart aus

    Am 30. Januar 2004 stimmte der Unirat entgegen der Empfehlung der Liberalen Hochschulgruppe Stuttgart dem durch den Senat bereits verabschiedeten Strukturkonzept der „Arbeitsgruppe Zukunftsoffensive Universität Stuttgart“ zu. Nun ist es am Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg in letzter Instanz über das ZUS-Papier zu entscheiden. Im Einzelnen beschloss der Universitätsrat die Streichung der Geowissenschaften, bestehend aus Geologie, Mineralogie und Kristallchemie, Geografie und Geophysik, desweiteren Germanische Linguistik, Linguistik/Germanistik und Historische Hilfswissenschaften. Die Professuren für Computerlinguistik und für Formale Logik sollen in eine Professur überführt werden. Die Lehramtsstudiengänge Deutsch, Englisch, Französisch, Geschichte und Politik sollen auf BA- und MA-Basis weitergeführt werden, bei gleichzeitiger Reduktion der Bandbreite. Die Zentrale Verwaltung soll bis zu 15 Prozent der Stellen einsparen. Zentrale Einrichtungen sollen 15 Prozent im nicht-wissenschaftlichen und 10 Prozent der wissenschaftlichen Dauerstellen einsparen. Die Professuren Mediävistik und Landesgeschichte bleiben erhalten, was die LHG Stuttgart stark begrüßt.

    Der Rektor der Uni Stuttgart Prof. Dr. Fritsch sprach im Zusammenhang mit der Schließung der Geowissenschaften von der „schmerzlichen Trennung von einem gesunden Ast“. Weshalb genau eben dieser gesunde Ast gestrichen werden soll, wobei nicht einmal klar ist, wie hoch sich die konkreten Einsparungen belaufen, bleibt weiterhin im Dunkeln. Auf die Frage des Vorsitzenden der LHG Stuttgart Alexander Schopf an Herrn Kanzler Schwarze und Herrn Rektor Fritsch konnten beide keinerlei Zahlen diesbezüglich nennen. Rektor Fritsch bezeichnete als einzigen Streichungsgrund die Randständigkeit der Geowissenschaften gegenüber anderen Fachbereichen. Dies erscheint uns sehr fraglich, gehen die Verbindungen der Geowissenschaften doch bis zu Bauingenieurwesen und selbst der Luft- und Raumfahrttechnik oder dem Max-Planck-Institut. Die LHG Stuttgart hält andere Lösungen bezüglich einer Zukunftsoffensive für bedeutend sinnvoller als die Eliminierung renommierter nicht-ingenieurwissenschaftlich ausgerichteter Institute. Genannt sei hierzu die vom letzten Universitätsrat bereits vor über zwei Jahren beschlossene, jedoch bislang vom Rektoramt verhinderte, externe Evaluation der Verwaltung durch ein unabhängiges Unternehmen. Für Forschung und Lehre erscheint uns dieses Vorgehen ebenfalls angebracht. Die LHG Stuttgart hält es zudem für erstrebenswert, dass eine Hochschule von Rektoren mit Managererfahrung geführt wird. Allein die Schließung von ein paar Instituten bringt keine Hochschule voran, sondern lässt die Uni Stuttgart immer weniger als Volluni erscheinen. Rektor Fritsch kündigte für den Sommer bereits weitere Strukturveränderungen an und keineswegs nur in einzelnen Fachbereichen: „Es wird an Fakultäten herangehen.“ Die LHG Stuttgart bittet die Parteimitglieder der FDP, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen, um konstruktive Reformmaßnahmen an der Universität Stuttgart zu fördern und den Grundstein für eine erfolgversprechende Zukunftsoffensive zu legen.

    Quelle: http://lhg-bw.de/stuttgart/2004/02/02/zukunftsoffensive/

  3. Weiter Kritik an Uni-Neuausrichtung

    Stuttgart (uli) – Nach der öffentlichen Erklärung von Uni-Rektor Wolfram Ressel gehen Diskussionen über seinen Masterplan weiter. Massive Kritik übt jetzt auch die Grünen-Gemeinderatsfraktion. „Das Lehramtsstudium und ein vollständiges geisteswissenschaftliches Studium an der Universität Stuttgart wird erschwert oder unmöglich“, sagt Michael Kienzle, kulturpolitischer Sprecher der Grünen. Er wie auch Theresia Bauer, hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, werfen Uni-Rektor Wolfram Ressel dabei Wortbruch vor. Er soll bei seinem Amtsantritt ausdrücklich versichert haben, die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften als selbständige Fakultäten zu erhalten. Die Grünen kündigen nachhaltigen politischen Widerstand gegen Ressels so genannten Masterplan an.
    Auch die SPD meldet sich bei dem brisanten Thema zu Wort und beantragt, dass Rektor Wolfram Ressel seinen Masterplan im nächsten Verwaltungsausschuss öffentlich vorstellt. Die Landeshauptstadt sei zwar formal dafür nicht zuständig. Jedoch muss es auch im Interesse der Stadt liegen, dass es auch in Zukunft möglich bleibt, an der Uni ein qualitativ wertvolles Angebot an Geistes- und Sozialwissenschaften vorzufinden. Andernfalls haben die Sozialdemokraten die Befürchtung, dass die Zahl der Studierenden drastisch zurückgehen und „junge, kluge Köpfe ihren Weg nicht mehr nach Stuttgart finden werden“.

    Alexander Schopf, Landesvorsitzender der Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg und Vorsitzender der LHG Stuttgart, lässt kein gutes Haar an dem Plan: „Wie bei der Zukunftsoffensive der Uni Stuttgart von 2003 auch, agierte die Hochschulleitung komplett im Verborgenen.“ Völlig unverständlich sei, dass ein solcher Kahlschlag in den Geisteswissenschaften auf Kosten der Studiengangvielfalt geplant werde, nachdem vor zwei Jahren Studiengebühren zur Verbesserung der Lehre eingeführt worden seien. „Wenn Lehramtsstudiengänge wegfallen sollten, wo werden die im Land gebrauchten Lehrer dann ausgebildet?“

    Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart begrüßt dagegen die Absicht der Universität, mit einer Neuausrichtung ihres Angebots das eigene Profil zu schärfen. „Alle Universitäten stehen vor der Herausforderung, ihren Einrichtungen ein klares und qualitativ hochwertiges Konzept zu geben. Es muss vor diesem Hintergrund für einen Rektor zulässig sein, dafür Konzepte und Vorschläge zu entwickeln und einzubringen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter.
    Quelle: http://www.ez-online.de/lokal/stuttgart/stuttgart/Artikel432568.cfm

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